Magdeburg l Immer mehr Banken dünnen in Sachsen-Anhalt ihr Filialnetz aus. Die Zahl der Volksbanken und Raiffeisenbanken ging zwischen 2014 und 2018 von 152 auf 111 zurück. Der Trend hält an. Beispiel: Harzer Volksbank. Fünf von 14 Filialen machen zum 1. März zu. Betroffen sind etwa Filialen in Harzgerode, Hasselfelde und Ballenstedt.

Weniger Menschen erledigten ihre Bankgeschäfte vor Ort, ein Großteil der Kunden setze auf Online-Banking. Man müsse Kosten sparen, erklärte Vorstandssprecher Hans-Heinrich Haase-Fricke gegenüber der Harzer Volksstimme. Kontoauszüge oder Bargeld bekommen die Kunden am SB-Automaten, für einen Beratertermin fahren sie künftig etwa von Hasselfelde rund 20 Kilometer nach Blankenburg. Ähnliches Bild bei der VR Plus Altmark-Wendland. Die Filialen in Werben und Lückstedt werden Ende März geschlossen. Neben der zunehmenden Online-Affinität der Kunden nennt die Bank Herausforderungen durch Niedrig- und Negativzinsen als Gründe.

Auch bei den Sparkassen bleiben Filialen auf der Strecke. Seit 2015 wurde rund jede fünfte mitarbeiterbesetzte Filiale mit Kundengeschäft dichtgemacht. Man müsse nun das Geschäft ankurbeln, neue Geschäftsfelder erschließen und Kosten senken, sagte der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Michael Ermrich, auf der Bilanzpressekonferenz in der vergangenen Woche. Ermrich betonte, der „öffentliche Auftrag einer flächendeckenden Versorgung mit Finanzdienstleistungen“ werde erfüllt. Mit Geschäftsstellen werde man weiter präsent sein. Ändern werde sich „deren konkrete Gestaltung und Verteilung“.

Neben den Sparkassen-Filialen nahm die Zahl der SB-Stellen ab (allein im vergangenen Jahr von 133 auf 108). Wenn Filialen schließen, übernimmt häufig ein Sparkassenbus. Wo vor wenigen Wochen noch eine Filiale in Neinstedt (Landkreis Harz) Kunden mit Geld versorgte, hält jetzt dreimal in der Woche ein Bus.

Gemeinsame Filialen bleiben

Neuer Ansatz: Stadtsparkasse und die Volksbank Magdeburg teilen sich bald eine SB-Filiale in Magdeburg-Buckau. Wie diese „Volks-Sparkasse“ funktioniert, sieht man in Hessen. Frankfurter Volksbank und Taunussparkasse betreiben gemeinsam Filialen. Um Kosten zu sparen, sind nicht zuletzt Fusionen denkbar. Die Sparkassen Jerichower Land und Stendal denken darüber nach.

Und die privaten Banken? Bei der Commerzbank wurden aus 25 Filialen 24. In Halle wurden zwei Filialen zusammengelegt. Eine moderne „Flagship-Filiale“ entstand. Die Zahl der Geldautomaten blieb mit knapp 60 stabil. Ob die angekündigte Umstrukturierung der Commerzbank für die Standorte in Sachsen-Anhalt Folgen hat, bleibt abzuwarten.

Bei der Deutschen Bank sank die Zahl der Filialen von 15 auf 14. Ein Sprecher betont, Filialen seien zu Beratungszwecken bedeutend. Für die Abwicklung von Bankgeschäften seien Kunden nicht mehr so stark auf Filialen angewiesen. Bargeldabhebungen etwa seien in Supermärkten möglich. Mobiles Banking, Videoberatung oder das Bezahlen mit Karte oder Smartphone würden verstärkt nachgefragt.