Magdeburg (dpa) l Eine Woche vor dem Schulstart in Sachsen-Anhalt hat der Verband der Schulleitungen das Corona-Schutzkonzept des Landes kritisiert. Es brauche stärkere einheitliche Vorgaben, zum Beispiel zur Maskenpflicht, sagte Verbandschefin Ines Petermann der Deutschen Presse-Agentur. Es werde große Diskussionen geben, weil es zu den richtigen Schutzmaßnahmen viele verschiedene Meinungen bei Eltern, Lehrkräften und Schülern gebe. "Die Telefone stehen jetzt schon nicht mehr still, weil die Eltern Fragen haben."

Sachsen-Anhalt schreibt nur am ersten und zweiten Schultag eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände vor, die aber nicht im Unterricht gilt. Danach sollen die Schulleitungen entscheiden, ob und wie die Pflicht in ihren Einrichtungen weiter gilt. Erster Schultag ist der 27. August.

Belehrung zu Hygieneregeln

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) begründete die kurze einheitliche Pflicht damit, dass zunächst alle Kinder und Jugendlichen ein Formular zu ihrem Gesundheitszustand, zur möglichen Rückkehr aus Risikogebieten und zu Corona-Kontakten ausfüllen und zu den neuen Hygieneregeln belehrt werden sollen. Wer die Bögen nicht zurückgegeben hat, darf das Schulgelände nicht mehr betreten.

Aus Sicht der Schulleiter ist das schwierig umzusetzen. "Wir sind darauf angewiesen, dass Eltern uns die Wahrheit sagen und korrekt die Fragebögen ausfüllen", sagte Petermann. Eltern könnten die Auskunft verweigern, oder die Antworten könnten nicht bis Montag vorliegen. Die Schulen hätten eine Aufsichtspflicht, Schüler ohne ausgefülltes Formular dürfen aber laut Hygieneplan nicht auf dem Gelände sein.

Kritik auch von Schülern

Auch die Schüler äußerten sich skeptisch über den Plan. "Zwei Tage helfen nicht um festzustellen, ob jemand infiziert ist", sagte der Vorsitzende des Landesschülerrats, Felix Schöpf, der dpa. "Das gefährdet die Schüler unnötig". Schöpf sprach sich dafür aus, außerhalb der Klassenräume generell das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorzuschreiben. Außerdem sprach sich der Schülervertreter dafür aus, die Schüler möglichst immer in den selben Räumen zu unterrichten. Das sei in den meisten Stunden möglich, mit Ausnahme von Fächern wie Chemie oder Informatik, in denen die Schüler auf die technische Ausstattung der Fachräume angewiesen seien.

Der Landesschülerrat hat seine Forderungen für ein Hygienekonzept in einem Positionspapier zusammengestellt. Darin fordern die Schüler neben der Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts und den möglichst seltenen Raumwechseln, dass die Schulen ausreichend Mund-Nasen-Schutzmasken für alle Schüler bereit halten. Außerdem sollten die Schulen bei der Ausgestaltung der Regeln einen gewissen Spielraum bekommen, um auf individuelle Herausforderungen reagieren zu können.