Magdeburg l 9000 neue Lehrer braucht Sachsen-Anhalt bis 2031. Ausgebildet werden deutlich weniger. Absehbar ist bislang der Zeitraum bis 2022. Hier stehen 3500 benötigten Pädagogen maximal 1730 Absolventen gegenüber. Das sind 1770 weniger als benötigt. „Die Anzahl wird den Einstellungsbedarf nicht einmal zur Hälfte abdecken können“, heißt es im Arbeitspapier einer Kommission zur Ermittlung des Lehrerbedarfs im Bildungsministerium.

Um den Bedarf zu decken, wäre eine deutliche Aufstockung der Studienplätze notwendig, rechnen die Verfasser vor. Bei durchschnittlich 733 benötigten Absolventen pro Jahr bis 2031 müssten statt aktuell 750 rund 1200 Erstsemester ein Studium beginnen. Die Kalkulation geht von Erfahrungen der letzten Jahre aus, nach denen nur etwa 61 Prozent der Studenten ihr Studium erfolgreich beendet haben.

Die Zahlen liegen nah an Forderungen der Lehrergewerkschaft GEW, aber oberhalb von Berechnungen des Wissenschaftsministeriums, das für die Hochschulplanung zuständig ist. Minister Armin Willingmann (SPD) hatte im Juli angekündigt, die Plätze für Erstsemester von aktuell 750 an der Lehrerschmiede Uni Halle auf mittelfristig mindestens 800 zu erhöhen.

Willingmann will Expertenpapier abwarten

„Ich werde mir genau anschauen, was die Expertenkommission vorlegen wird“, sagt Willingmann jetzt. Beim Papier handele sich um einen Zwischenstand. So plane die Uni Halle, dass künftig 75 Prozent der Lehramtsstudenten ihr Studium erfolgreich abschließen.

Das sei nicht unrealistisch. Schon jetzt liege die Quote in allen Bereichen mit Ausnahme des Sekundarschullehramts bei rund 70 Prozent. Bei der Stange halten dürften viele Studenten zudem bessere Beschäftigungschancen im Land als zuletzt.

„Völlig klar ist, dass das Land in den nächsten Jahren mehr Lehrer einstellen muss“, sagt der Minister. Wegen der Dauer des Studiums könne eine Erhöhung der Studienplatzzahl jetzt den kurzfristigen Mangel aber nicht mildern. Die Lösung seien Maßnahmen wie Quereinsteiger-Programme oder die Werbung um ausgebildete Lehrer.

Tullner sieht steigenden Bedarf

Der für die Unterrichtsversorgung zuständige Bildungsminister Marco Tullner (CDU): „Der Bedarf an Studienplätzen wird steigen.“ Dabei müsse die Erfolgsquote im Studium beachtet werden. Unabhängig davon hätten zuletzt schon knapp 30 Prozent der neu eingestellten Lehrer ihr Referendariat nicht in Sachsen-Anhalt absolviert. „Das zeigt, dass ein Teil unseres Bedarfs auch in anderen Bundesländern ausgebildet wird.“

Derweil protestieren in Wernigerode am Montag um 15.30 Uhr Eltern gegen den Lehrermangel der Gegenwart. Am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium gibt es seit Wochen massive Unterrichtsausfälle. Briefe an das Bildungsministerium brachten nach Angaben von Eltern bislang keine Verbesserungen. Vergangene Woche übernahm der Großvater eines Schülers ehrenamtlich den Matheunterricht.