Gardelegen l „Blaulicht, Blaulicht! Übung halt!“, tönt es durch die Lautsprecher in den gepanzerten Fahrzeugen und Sprechfunkgeräten der Soldaten. Es ist das Zeichen für einen realen Alarm während der Bundeswehrübung, die abrupt unterbrochen werden muss. Leopard-Panzer und andere getarnte Gefechtsfahrzeuge stoppen. Sie halten die Wege frei.

In der Einsatz-Zentrale der Bundeswehr-Feuerwehr nimmt Oberbrandmeister Silvio Hillert den Notruf entgegen. Die Meldung: „Flammen lodern an der Teekanne.“ Der Name steht für eine der zahlreichen Kreuzungen auf dem rund 23.000 Hektar großen Gelände. Die Örtlichkeiten haben in der Heide fast alle erfundene Namen wie Teufelsberg oder Heldenweg. Letzterer wird von den Soldaten so genannt, weil dort oft die Offiziere mit ihren Wagen unterwegs sind und im simulierten Gefecht deshalb auch gern mal öfter abgeschossen werden.

Eine Schicht dauert 24 Stunden

Die über den Bund bezahlten Berufsfeuerwehrleute sind innerhalb weniger Sekunden auf ihrem speziell für Vegetationsbrände entwickelten „U 5000“. Sechs Stück gibt es davon auf der Wache. Die Allrad-Löschfahrzeuge haben jeweils 4300 Liter Wasser an Bord und verfügen über eine gesonderte Boden-Sprühvorrichtung. „Damit können wir auch durch das Feuer fahren und jeden Heidebrand löschen“, erklärt Oberbrandmeister Göran Schünemann. Der 42-Jährige steuert den kleinen „Tanker“ in Richtung Flächenbrand. Der war offensichtlich durch eine außer Kontrolle geratene Signalfackel entstanden.

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Sein Kollege Feniak Schmidt bedient indessen das Strahlrohr auf dem Dach des Löschfahrzeugs. Innerhalb weniger Minuten ist der Brand an der „Teekanne“ gelöscht. Die bereits eingetroffenen Soldaten mit sogenannten „Feuerpatschen“ erledigen den Rest.

Allein im vergangenen Jahr waren die 54 Feuerwehrmänner mit ihren zwölf Fahrzeugen 372-mal ausgerückt. 2017 waren es noch 280 und im Jahr davor 245 Alarmierungen. Im 24-Stunden-Schicht-System ist die Wache von 7 bis 7 Uhr besetzt. 15 Betten stehen für die nächtliche Bereitschaft zur Verfügung. Es gibt auf dem großen Gelände im Süden und Norden zwei Feuerwachen. „Wie im zivilen Bereich müssen wir eine gesetzliche Hilfsfrist von zwölf Minuten garantieren, deshalb sind diese beiden Standorte wichtig“, erklärt der Leiter der Feuerwehr Andreas Lehmann (52). Bei medizinischen Notfällen begleiten zudem wegen der Ortskenntnis grundsätzlich die Feuerwehrmänner den Notarzt.

40 Hektar in Flammen

Bei dem bisher größten Flächenbrand auf dem Truppenübungsplatz sind im Juni vergangenen Jahres 40 Hektar Heide in Flammen aufgegangen. In diesem Fall bekamen die diensthabenden Feuerwehrleute auf dem großen Gelände die Lage nicht mehr allein unter Kontrolle. Lehmann: „Wir mussten damals Unterstützung aus den umliegenden Gemeinden anfordern.“ Vier Ortsfeuerwehren aus Kloster-Neuendorf, Cröchern, Dolle und Gardelegen kamen zu Hilfe.

„Wir arbeiten eng im Rahmen der dringenden Eilhilfe mit den Kommunen zusammen“, erklärt der 52-Jährige. So rücken auch umgekehrt die Bundeswehr-Fahrzeuge zur Hilfe in den angrenzenden Landkreisen aus. Die Lösch-Profis waren mit ihren Fahrzeugen aber auch bei den Waldbränden in Brandenburg gefragt.

Größte Gefahr ist alte Munition

Die Männer vom Truppenübungsplatz müssen vor allem ihr „Revier“ wie ihre eigene Westentasche kennen. Denn dort lauert eine besondere Gefahr im Boden: Munition der letzten Jahrzehnte der Wehrmacht und der Russen.

Das Gebiet ist zwar bis auf einige Ausnahmen bereits professionell beräumt, aber nur 80 Zentimeter tief. Jedes Jahr „wachsen“ die Granaten und Bomben durch den Frost immer wieder an die Erdoberfläche. Hauptmann Alexander Helle vom Gefechtsübungszentrum: „Es gibt auf dem Gelände sogar Flächen, die gar nicht und von niemanden betreten werden dürfen.“ Auf dem sogenannten A-Platz sollen die Russen in einem unterirdischen Bunker beim Abzug ihre Munition verkippt und gesprengt haben. Nur ein Teil davon soll auch tatsächlich detoniert sein. Seither trauen sich nicht einmal Kampfmittelexperten in jenes unterirdische System.

Schutz der Wälder wichtig

Auch Feuerwehrchef Lehmann sagt: „Für uns hat deshalb der Schutz dieses explosiven Geländes höchste Priorität.“ Das gelte auch für die angrenzenden Hochwälder. Denn zum Beispiel der Colbitzer Lindenwald mit seinen 220 Hektar ist nicht nur der größte geschlossene Lindenwald Europas – die Wälder rund um das Gelände sind wichtiger Staub-, Sicht- und Lärmschutz.

Bei den Übungen müssen die trainierenden Soldaten als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme sogenannte „Patschenkommandos“ abstellen, die im Ernstfall zum Löschen eingesetzt werden. Lehmann: „Auch wenn bei uns kein einziger Schuss fällt, irgendetwas brennt immer.“

Bereits ab der Waldbrandwarnstufe III werde meist auf den Einsatz von Pyrotechnik verzichtet. Hauptmann Helle: „Da gibt es allerdings Abstufungen und die letzte Entscheidung treffen am Ende der Leiter der Übung oder der Leiter des Gefechtsübungszentrums.“ Die Brandsicherheit habe aber auch Vorrang.

Wache erweitern

In den nächsten Jahren erwartet Feuerwehrchef Lehmann mehr Einsätze durch die Übungsstadt Schnöggersburg. Auch deshalb soll die Zahl der Feuerwehrmänner auf 70 und die Wache in den nächsten Jahren erweitert werden.

Die Löscheinheit ist inzwischen wieder an der Wache zurück und füllt per Hochdruck den Wassertank auf. Der nächste Einsatz lässt nicht auf sich warten.