Nachterstedt l Ob es im Jahr 2019 eine sogenannte Teilfreigabe des Concordia-Sees bei Nachterstedt geben wird, darauf möchte niemand wetten. Und auch Maria Lange vom Sanierer, der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), bleibt vage.

„Die Sicherung der Ostböschung des Sees, die wir Anfang 2015 begonnen haben, wurden Ende September 2018 abgeschlossen.“ Jetzt werde die Sicherheit von vier Dämmen überprüft. „Erst, wenn feststeht, dass die Erde genügend verdichtet ist, kann über eine Teilfreigabe des brachliegenden Erholungsgebietes gesprochen werden.“ Bis zum 28. Mai 2019 wolle das Landesamt für Geologie und Bergwesen den Daumen heben oder senken.

Heidrun Meyer (parteilos), Bürgermeisterin von Seeland, zu dem Nachterstedt gehört, ist allerdings zuversichtlich, dass der Tourismus im nächsten Jahr dort wieder anknüpfen kann, wo er 2009 abrupt unterbrochen wurde. „Ich gehe davon aus, dass es im Juli – zehn Jahre nach dem Unglück – nach einer Teilfreigabe des Sees auf der Ostseite – weitergeht.“ Die Sanierung der Südseite werde allerdings noch bis 2022 dauern.

Willingmann will Freigabe ansteuern

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) macht mit Blick auf den Sommer 2019 Mut: „Es ist und bleibt ein ambitioniertes Ziel. Wir sollten es aber ansteuern.“

Bürgermeisterin Meyer sieht ein Alleinstellungsmerkmal des Concordia-Sees. „Einen größeren See gibt es erst wieder mit dem Großen Goitzsche See im Kreis Anhalt-Bitterfeld.“ Dementsprechend sei das Einzugsgebiet: „Magdeburg, Braunschweig, der Harz, bis Halle. Unser Plus ist es, dass wir durch die B 6n und die A 36 sehr gut angebunden sind.“

Wirtschaftliches Standbein

Sebastian Kruse, Chef der Seeland GmbH, die die Wirtschaft der Gemeinde fördert, sagt: „Das große Ziel und unser Wunsch ist es, in der ehemaligen Bergbauregion durch den Tourismus ein neues wirtschaftliches Standbein zu entwickeln.“ Kruse träumt davon, dass der See einmal wieder wie bis 2009 für den Wassersport genutzt werden kann. „Es gab bereits ein Passagierschiff. Doch das musste verkauft werden.“ Auf der Nordseite sei schon einiges in Ferienhäuser, einen Reiterhof mit Gästewohnungen und in Gastronomie investiert worden. „Und auch nach der Katastrophe wurde weiter investiert. Wir waren davon ausgegangen, dass das Gebiet schnell wieder freigegeben werden würde.“

Viele Anwohner des Sees zweifeln daran, dass nach dem Erdrutsch das touristische Konzept Erfolg hat. Für einige ist allein der Umstand, dass die Opfer bis heute nicht gefunden wurden, ein Grund dafür, im „Concordia“ nicht mehr zu baden.