Magdeburg l AfD-Chef André Poggenburg sagte am Montag, Sturm habe unter einer „gewissen Arbeitsüberlastung“ gelitten. Die 43-Jährige ist Harzer Kreisvorsitzende und Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle der Landtagsfraktion. In ihrem Rücktrittsschreiben kritisierte Sturm das „fehlende Vertrauensverhältnis einiger Landesvorstandsmitglieder mir gegenüber“. Ihr sei auch sehr bewusst geworden, „dass es die wichtige Trennung zwischen Partei- und Fraktionsarbeit nicht gibt“.

Sturm war erst im Mai ins Amt gewählt worden. Sie folgte auf Alexander Raue (Halle), dem die Kassenprüfer die Entlastung für die Jahre 2014 und 2015 verweigert hatten. Grund: Es lagen keine Unterlagen vor.

In einem Volksstimme-Interview greift Poggenburg Daniel Roi an, der den Landtagswahlkampf geleitet hatte. Vor zwei Wochen aber wandte der sich gegen die Parteispitze: In einem Offenen Brief kritisierten Roi sowie Kreischefs und Landtagsabgeordnete, die AfD sei durch fehlende Abgrenzung gegenüber Rechtsextremisten in Gefahr.

Poggenburg schlägt zurück

Poggenburg schlägt nun zurück: Die Lancierung des Papiers sei entweder unbedacht oder parteischädigend gewesen. Poggenburg warf Roi vor, dieser habe selbst Kontakte zur umstrittenen Identitären Bewegung (IB). Rois Bedenken wirkten daher „ein wenig verfehlt“. In der Sache sei der Aufruf aber richtig, eine Zusammenarbeit mit der IB komme nicht in Frage. Poggenburg forderte alle AfD-Politiker auf, bei der Rechtsaußen-Gruppierung nicht mehr als Gastredner aufzutreten. Zuletzt hatten das die Landtagsabgeordneten Jan Schmidt und Hans-Thomas Tillschneider getan.

Letzteren forderte Poggenburg zum Einlenken auf. „Wenn er sich allein als Vorsitzender der Patriotischen Plattform äußern will, müsste er den Sitz im Landesvorstand und das Landtagsmandat abgeben.“ Der Landesvorstand habe Tillschneider dazu „deutlich die Meinung gesagt“.

Am vorigen Donnerstag trafen sich Kreischefs und der Landesvorstand in Magdeburg, um über den offenen Brief zu diskutieren. „Es ging hart zur Sache“, sagte Poggenburg. „Manche sind sich verbal an die Gurgel gegangen.“ Andere berichten von teils wüsten Beschimpfungen. Ex-Kassenwartin Sturm sprach von einem „katastrophalen Verlauf“ des Treffens.

Poggenburg äußerte sich auch zu im rechten Milieu kursierenden Behauptungen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck seien Stasi-Spitzel gewesen. „Das kann ich mir gut vorstellen“, sagte Poggenburg. Beweise habe er zwar nicht. Merkel habe aber „eine gewisse Rolle in der DDR gespielt“ und nach der Wende einen guten Start gehabt.