Blankenburg l Eine Welle der Anteilnahme, aber vor allem der Hilfsbereitschaft erfährt aktuell Maja Martinu (42) aus Blankenburg im Harz. Ihr Lebensgefährte Sören Biermann (48) war am Neujahrstag im Meer vor der Küste Mauretaniens bei einem Ausflug mit dem Schlauchboot tödlich verunglückt. Die genauen Umstände sind allerdings nicht geklärt.

„Ich war am Strand und habe plötzlich den Motor nicht mehr gehört“, schilderte Maja Martinu das Geschehen. Nachdem sie die Hilferufe ihres Lebensgefährten vernahm, lief sofort eine große Rettungsaktion an, an der sich Polizei, Küstenwache und herbeieilende Fischer beteiligten. Doch erst am nächsten Morgen konnten Taucher den Leichnam im Wasser bergen.

Längere Auszeit ermöglichen

Das Blankenburger Paar hatte lange auf dieses Abenteuer hingearbeitet. Beide wollten sich und den Kindern noch einmal eine längere Auszeit ermöglichen, bevor für ihre Kleinen die Schulzeit beginnt. Während Sören Biermann seinen Instandhaltungsservice - einen Ein-Mann-Betrieb - für die geplante Dauer von fünf Monaten dicht machte, ermöglichte der Arbeitgeber seiner Lebensgefährtin diese längere Auszeit. In einem ausrangierten und selbst umgebauten Feuerwehr-Rüstwagen brachen sie im Oktober 2018 zu ihrer Fahrt gen Süden auf – quer durch Europa, mit der Fähre über das Mittelmeer und weiter entlang der afrikanischen Atlantik-Küste. Knapp 19.000 Kilometer, so der Plan, sollten am Ende mehr auf dem Tacho des Magirus-Deutz-Transporters stehen.

Für die beiden war die Tour keine Reise ins Ungewisse. Sie hatten bereits mehrfach den Schwarzen Kontinent erkundet. „Seit der Wende war ich jedes Jahr einmal da“, berichtete Sören Biermann kurz vor der Abfahrt noch stolz in einem Volksstimme-Gespräch.

Allerdings war er nicht nur als Tourist in Afrika unterwegs, sondern um den Menschen dort zu helfen. 2011 hatte er mit seiner Partnerin und weiteren Mitstreitern den Verein „Mali hat Zukunft“ gegründet. Im Dorf Sounsounkoro hatten sie sogar eine Schule aufgebaut. Die aktuelle politische Situation, das Treiben des sogenannten Islamischen Staates und anderer militanter Gruppen, hatte es aber unmöglich gemacht, dort weitere Aufbauhilfe zu leisten.

Gut vorbereitet

So entschieden sich die Harzer, in sicheren Gebieten zu reisen. Die vielen positiven Erfahrungen, die sie über die vergangenen knapp 30 Jahre gesammelt hatten, bestärkten sie sogar in ihren Plänen. So führte ihre Fahrt an der westafrikanischen Küste entlang durch Marokko, die Sahara, Mauretanien und den Senegal. „Sören wollte uns sein Afrika so zeigen, wie er es in den vergangenen Jahrzehnten kennen- und lieben gelernt hat“, so Maja Martinu. Wie sie gegenüber der Volksstimme erklärte, habe sie nach dem tragischen Unglück bereits vor Ort unglaublich große Unterstützung erhalten, unter anderem vom Gouverneur in Nouadhibou und der deutschen Botschaft: „Die Behörden haben alles nur mögliche getan, damit wir so wenig Sorgen wie möglich haben, und um alle Formalitäten zu regeln“, erzählte sie.

Gemeinsam mit ihrer Familie in Blankenburg konnte sie inzwischen die Heimreise mit ihren beiden drei und fünf Jahre alten Kindern und die Überführung nach Deutschland organisieren. Am Dienstagabend sind sie mit dem Flugzeug wieder in der Heimat eingetroffen.

Über ein Internet-Forum haben sich bereits Fahrer angeboten, den Transporter nach Deutschland zurückzubringen, mit dem die Familie zu ihrer mehrmonatigen Tour durch Westafrika Ende Oktober aufgebrochen war. Parallel dazu ist über Freunde eine Hilfsaktion angelaufen, um die Familie in ihrer Not finanziell zu entlasten.