Magdeburg l Bislang wurden 497 falsche Gewebe-Befunde festgestellt. Das geht aus der Antwort von Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) auf eine kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Eva von Angern hervor. Demnach wurden von externen Instituten bisher 5809 Fälle aus den Jahren 2016 bis November 2019 begutachtet, die der ehemalige Institutsleiter Johannes H. selbst vorgenommen oder veranlasst hatte.

Laut Ministerium liegen inzwischen 18 Fälle der Staatsanwaltschaft vor. Nach Volksstimme-Informationen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung beziehungsweise der fahrlässigen Tötung. Behandlungsunterlagen und Dienstpläne sollen schon beschlagnahmt worden sein.

Uniklinik-Chef treibt Aufklärung voran

Der Ärztliche Direktor des Uni-Klinikums, Hans-Jochen Heinze, hatte der Volksstimme bereits im Mai bestätigt, dass Patienten durch Fehldiagnosen zu Schaden gekommen seien. Ein Patient sei verstorben. „Das Ausmaß der Häufung von Fehldiagnosen ist inakzeptabel“, sagte Heinze seinerzeit.

Bekannt geworden waren die Auffälligkeiten erstmals im November 2019. Im Dezember informierte Heinze den Aufsichtsratsvorsitzenden, Wissenschaftsminister Willingmann, über Fehldiagnosen. Nach einer anonymen Anzeige kündigte die Uni-Klinik ihrem Pathologie-Chef im Januar fristlos und stellte Strafantrag.

Bei der Untersuchung von Gewebeproben bewertet die Pathologie zum Beispiel ob – und falls ja – wie bösartig ein Tumor ist. Darauf aufbauend entscheiden Fachärzte, wie umfangreich Operationen ausfallen müssen.