Magdeburg l Betritt man den Campingplatz am Barleber See, sieht man sofort, dass der Platz gut besucht ist. Kinder fahren mit ihren Rollern die Wege entlang, die Erwachsenen haben die Tische vor ihre Wohnwagen gestellt und sitzen gemütlich beisammen. So auch Helga Braun mit ihrem Mann Dieter und ihren Freunden Anita und Werner Sinning. Die Eheleute sind aus Nordhessen angereist. „Wir sind aber bereits auf dem Rückweg“, erklärt Helga Braun. Eine große Rundreise bis an die polnische Ostsee hätten die Eheleute zusammen gemacht.

Nun seien sie von Brandenburg gekommen. Ihren nächsten Stopp wollten sie eigentlich am Campingplatz in Tangermünde einlegen. „Doch da war nichts mehr frei“, sagt Helga Braun. So hätten die Freunde im Internet nachgeschaut und seien auf den Barleber Campingplatz aufmerksam geworden. Dort hätten sie noch zwei Plätze bekommen. Insgesamt 650 Plätze für Dauercamper und 220 für Kurzzeitcamper hat der Campingplatz am Barleber See. „Am Wochenende ist der Platz voll“, sagt Helmut Bresch, Vereinsvorsitzender des Campingvereins Barleber See. In den vergangenen Jahren seien viele Holländer dagewesen, sagt Bresch. Diese wären nun kaum vertreten. Es seien viele Magdeburger mit ihrem Wohnmobil oder Wohnwagen hier. Aber auch Rückkehrer von der Küste aus angrenzenden Bundesländern halten hier zur Erholung an.

Außerdem hätte er festgestellt, dass relativ viele neue Dauercamper dazugekommen sind und somit ihr Fahrzeug hier das ganze Jahr über unterstellen. Das ist sicher eine Folge von Corona, berichtet Bresch. Menschen, die keinen Garten oder Hof haben, haben sich einen Campingwagen angeschafft.

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Viele neue Besucher

Wie läuft der Tourismus im Harz? Virginia Mellin von der Ilsenburger Tourismusinformation sagt: „Man merkt, dass in diesem Jahr viele neue Besucher in der Stadt unterwegs sind.“ Sowohl aus anderen Bundesländern als auch Menschen, die englisch sprechen würden. Diese kämen in die Tourismusinformation und ließen sich beraten, was sie in der Umgebung unternehmen könnten.

Viele von ihnen sagen: „Wir wussten gar nicht, dass es hier so schön ist.“ Die Hotels seien für den Juli sehr gut gebucht gewesen, noch mehr als in den vergangenen Jahren zur Sommerzeit. Das würden auch die Kurtaxeneinnahmen für den Monat bestätigen. Ein Problem, welches durch die vielen Urlauber im Ilsetal auftauche, sei die Parkplatzsituation. „Beide Parkplätze sind bereits vormittags voll“, berichtet Virginia Mellin. Das bestätigt auch der Bürgermeister der Stadt, Denis Loeffke. Es gäbe viele Falschparker. Insgesamt 234 Strafzettel hätte die Stadt Ilsenburg im Juli verteilt. Im vergangenen Jahr waren es im Juli 133 Knöllchen.

Mit Schildern würde die Stadt auf die Parkplätze in der Innenstadt aufmerksam machen. „Wanderer sollten diese 10 bis 15 Minuten mehr Fußweg nicht abschrecken“, meint der Bürgermeister. Er freue sich über das große Interesse der Gäste an der Stadt, wünsche sich aber mehr Rücksichtnahme.

Hoteliers fehlt die Perspektive

Auch Christian Wieland, Geschäftsführer und Eigentümer des Hotels Weißer Hirsch in Wernigerode, bestätigt, dass das Hotel gut gebucht sei. Ein paar Kapazitäten hätten sie jedoch noch frei. Man merke, dass die Geschäftsreisen fehlen, dafür kämen nun mehr Individualtouristen und Familien nach Wernigerode. „Die Frage ist jedoch, was ist nach den Ferien?“, gibt Wieland zu bedenken. Für den September und Oktober fehle bisher die Perspektive.

Ebenso sei das Harzer Kultur- und Kongress-Hotel (HKK) in Wernigerode im Moment sehr gut gebucht, sagt René Maue, Verkaufs- und Marketingleiter des Hotels. In diesem Jahr habe sich jedoch die Aufenthaltsdauer von vielen Besuchern geändert. Sonst kamen sie für zwei bis drei Tage, nun würden viele Touristen auch sieben bis 14 Tage bleiben. Maue vermutet, dass sie auf Reisebus-Gruppen und Firmen-Veranstaltungen auf längere Sicht verzichten müssten. Diese zählen sonst zum Kerngeschäft des Hotels.

Auch die Tourismusinformationen der Städte Havelberg und Naumburg vermelden im Juli mehr Besucher als sonst. Dies wird beispielsweise am Straßenbild oder an der starken Nachfrage für Unterkünfte deutlich, schreibt André Gerdel vom Touristenbüro in Havelberg. Ronny Mitlehner von der Tourismusinformation in Naumburg teilt mit, dass manche Unterkünfte für Juli im Vergleich zum Vorjahr eine 30 prozentige Steigerung vermelden als im Jahr zuvor.

Bei aller Freude über den Touristen-Boom bleibt Michael Schmidt, Präsident der Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) in Sachsen-Anhalt, skeptisch. Er glaubt nicht daran, dass 2020 mehr Touristen nach Sachsen-Anhalt gekommen sind als in den Jahren zuvor. „Den starken Rückgang an Besuchern im Frühjahr wird man nicht mehr aufholen.“ Zwar hätte in einigen Regionen wie dem Harz und dem Burgenland der Tourismus wieder Fahrt aufgenommen. Einige Hotels jedoch in Städten, die für Familien nicht so attraktiv sind, hätten noch immer geschlossen.