Magdeburg l Für umgerechnet einen Euro am Tag mit Bus und Bahn quer durchs Land: Die SPD will mehr Pendler zum Umstieg motivieren. „Wir wollen, dass jede und jeder flächendeckend mit Bus und Bahn zu bezahlbaren Preisen unterwegs sein kann“, heißt es im Entwurf der Fraktion. „Das darf in der Klimaschutzdebatte nicht unter die Räder kommen“, sagte SPD-Bundestags-Fraktionsvize Sören Bartol in Berlin.

Die SPD schlägt vor, schrittweise ein Jahresticket zum Preis für 365 Euro anzubieten. Derzeit kostet eine Jahreskarte etwa bei Sachsen-Anhalts Nahverkehrsverbund Marego zwischen 480 und 2900 Euro - je nach Streckenlänge. Der Verbundtarif gilt in Magdeburg sowie den Landkreisen Börde, Jerichower Land und Salzlandkreis.

Käme ein Billig-Angebot, würde die Nachfrage steigen. Hätten Busse und Bahnen genug Platz? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Marego-Geschäftsführer Jost Beckmann rechnet bei einer Billig-Offerte zunächst mit einem Gästeplus von 10 bis 20 Prozent. „Das würden wir packen“, sagte Beckmann. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hingegen erwartet eine deutlich höhere Nachfrage. Magdeburg und Potsdam hatten dazu bereits eine Studie in Auftrag gegeben. Resultat: Bei einer Billigofferte sei mit einer Verdopplung der Fahrgastzahlen zu rechnen. Trümper: „Deshalb müssen wir erst das Netz ausbauen und modernere Fahrzeuge anschaffen – sonst locken wir die Leute ins Chaos.“ Trümper hält ein Billig-Ticket daher frühestens 2022/23 für realistisch. Bis dahin sei eine neue Tram-Trasse fertig. Zudem sollen für 100 Millionen Euro neue Straßenbahnen angeschafft werden.

Auch Sachsen-Anhalts Nahverkehrsunternehmen Nasa verweist auf derzeit begrenzte Kapazitäten. Im Jahr nutzen 31 Millionen Reisende die Züge. Zwar sind die nicht alle proppevoll; aber gerade in Stoßzeiten kommen stark nachgefragte Linien wie Halle-Leipzig schon jetzt an ihre Platzgrenzen. „Neue Waggons oder zusätzliche Züge zu bestellen, ist nicht von heute auf morgen so einfach möglich“, sagt Nasa-Sprecher Wolfgang Ball.

Bund müsste zahlen

In einem sind sich alle einig: Der Bund müsste das Billig-Ticket finanzieren. „Und zwar dauerhaft“, sagt Marego-Chef Beckmann. Schon heute müssen Stadt und Land Millionen zuschießen. Sein Verbund nimmt im Jahr 55 Millionen Euro ein. Das deckt nur etwa 45 Prozent der Kosten. Und die steigen pro Jahr um zwei bis drei Prozent weiter an. Das spüren auch die Pendler. Seit 2014 kletterten die Ticketpreise um etwa 10 Prozent. Etliche Rabatte wie für 4er oder 10er Karten wurden gestrichen oder geschmälert.

Vorbild für ein 365-Euro-Jahresticket ist Wien. Allerdings wurden dort zugleich auch die Parkgebühren für Autofahrer drastisch erhöht.