Magdeburg l Es ist mitten im Berufsverkehr, gegen 7.45 Uhr, als der Fahrer eines Betonmischer-Lkw zwei langsam fahrende Sattelzüge am Stauende auf der A 2 bei Magdeburg zu spät sieht: Der Fahrer bremst und reißt das Steuer herum. Der Mischer touchiert seitlich erst einen Lkw, stürzt um und kollidiert noch mit einem weiteren Laster. „Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt“, erklärt später Bernd Ziehm von der Autobahnpolizei.

Magdeburger Brücke ist Nadelöhr

Die Folgen sind dennoch dramatisch: Aus dem Mischer läuft Flüssigbeton auf die Fahrbahn. Die Feuerwehr muss die Autobahn „retten“ und spritzt den Beton von der Fahrbahn. Vier Stunden muss die Strecke während der Bergungsarbeiten in Fahrtrichtung Berlin gesperrt werden. Die Polizei empfiehlt zwar eine weiträumige Umleitung über Schönebeck. Doch der Verkehr wälzt sich vor allem durch die Stadt Magdeburg über die ohnehin stark belastete B 1. Sie dient außerdem für die zahlreichen Baustellen der Stadt als Umleitungsstrecke. Der zusätzliche Verkehr von der Autobahn sorgt für massive Behinderungen. Auf dem Magdeburger Ring und der B-1-Brücke dreht sich zeitweise kein Rad mehr.

Wolfgang Hübner von der Magdeburger Taxigenossenschaft bezeichnet die Situation als „mittlere Katastrophe“. Die Folgen für seine Kollegen: „Wir kommen überall zu spät und können unsere Termine nicht einhalten.“ Die Magdeburger Verkehrsbetriebe sprechen von zeitweise bis zu 50 Minuten Verspätung. Besonders betroffen ist die Buslinie 73.

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Polizeisprecherin Beatrix Mertens: „Innerhalb der Umleitungsstrecke gab es zum Glück keine weiteren nennenswerten Unfälle.“

167 Unfälle am Stauende

Vor allem am Stauende in den Baustellen kracht es auf der Autobahn immer häufiger. Nach einer Statistik des Innenministeriums haben sich die Unfälle mit Lkw am Stauende 2017 im Vergleich zum Vorjahr von 24 auf 167 erhöht.

Allein auf der A 2 waren an jedem zweiten der 1353 Unfälle im Jahr 2017 Lkw beteiligt. Über die etwa 80 Kilometer lange Strecke in Sachsen-Anhalt rollen täglich knapp 70.000 Fahrzeuge. Etwa ein Viertel sind Lkw.

Autobahnpolizeisprecherin Doreen Günther: „An dieser Baustelle bei Magdeburg ist es bisher der schwerste Unfall. Wir hatten eigentlich schon mehr Zusammenstöße befürchtet.“ Die Baustelle in Höhe Magdeburg-Zentrum, mit der zwei- statt der dreispurigen Verkehrsführung, soll nach Aussagen von Verkehrsministeriumssprecher Andreas Tempelhof noch bis 6. Juli bleiben.

Erst 16 Uhr wieder alle Spuren frei

„An dieser Stelle wird der Regenabfluss erneuert“, erklärt er. Die zweite Baustelle in Fahrtrichtung Berlin mit zweispuriger Verkehrsführung ab Magdeburg-Rothensee in Fahrtrichtung Berlin wird sogar noch bis November bleiben.

Der Betonmischer kann gegen Mittag mit einem Kran geborgen werden. Der Feuerwehr gelingt die vollständige Reinigung der Fahrbahn, so dass der Verkehr zumindest einspurig an der Unfallstelle vorbei rollen kann. Erst ab 16 Uhr sind alle Spuren wieder frei.

Der Kommentar zum Thema von Chefredakteur Alois Kösters.