Magdeburg l Es ist der 28. Dezember 1978, ein Donnerstag. Auch in Magdeburg herrscht noch Tauwetter, als sich auf der Insel Rügen bereits die Katastrophe anbahnt. Über der Ostsee prallen ein Hochdruckgebiet und ein Tiefdruckgebiet zusammen. Ein Kälteeinbruch beginnt. Die Temperaturen fallen binnen weniger Stunden rapide. Der Schneesturm schiebt sich langsam südwärts.

Rügen von Außenwelt abgeschnitten

Die Insel Rügen wird am 29. Dezember komplett von der Außenwelt abgeschnitten, der Rügendamm ist unpassierbar. Hubschrauber können wegen des Sturms nicht fliegen. Züge bleiben in Schneeverwehungen stecken - ein Personenzug auf Rügen für mehr als 48 Stunden. Eispanzer legen sich um Strom- und Telefonleitungen. Die Ostseezeitung hat die Ereignisse auf der Insel Rügen in einer Multimedia-Reportage zusammengefasst.

Die Stromversorgung in der DDR bricht teilweise zusammen. Kraftwerken fehlt vorübergehend die Braunkohle aus den Tagebauen. Nicht nur Weichen sind vereist, auch die Kohle ist in Waggons festgefroren und muss mühsam per Hand freigehackt werden. Förderbänder blockieren.

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In der Volksstimme von 1978/79 wird erst mit mehrtägiger Verzögerung über den Einsatz der Menschen im Kampf gegen die Folgen der Wetterkatastrophe berichtet. In der DDR-Presse dominieren die Erfolgsmeldungen. Dabei sind die Bedingungen sehr schwierig. Das Kraftwerk in Magdeburg-Rothensee zum Beispiel stammt aus dem Jahr 1932. Im Vergleich zu den Großkraftwerken der DDR ist es ein Zwerg,  liefert nur einen Bruchteil an Leistung - und sollte übers Silvesterwochenende eigentlich in den Wartungsmodus gehen, nur in Teillast arbeiten. Aber das Rothenseer Kraftwerk ist wichtiger denn je, denn es ist  nicht von der Braunkohle abhängig. Es wird mit Erdgas aus Salzwedel betrieben.  

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Zu Fuß zum Kraftwerk Rothensee

"Und draußen schneite es immer noch und die Quecksilbersäule fiel weiter", heißt es in der Volkstimme von damals, minus 16 Grad Celsius werden vermerkt. "S-Bahn- und Eisenbahnfahrpläne waren völlig durcheinander geraten, der Nahverkehr teilweise zusammengebrochen."  Die Spätschicht des Rothenseer Kraftwerkes bereitet sich deshalb auf eine zweite Schicht vor. Niemand glaubt an eine Ablösung. "Aber die Frauen und Männer der Nachtschicht erschienen zur Arbeit. Zu Fuß, nach Märschen von 15, ja sogar 20 Kilometer durch Schnee und Kälte, aus Stadtrandgebieten und den Dörfern der Umgebung."

Nur ganz vorsichtig wird in der Volkstimme ein wenig Kritik laut - dabei ging es um die Essensversorgung. Einem Magdeburger Kraftwerker stieß "im doppelten Sinne des Wortes sauer auf, dass die Nachtschicht zum Jahreswechsel nach langem Fußmarsch durch einen Polarwinter Heringssalat gereicht wurde, den man vorher drei Kilometer im Blecheimer durch die Kälte getragen hatte."

Auch Fotos vom Katastrophenwinter gefragt

Welche Erinnerungen haben Sie an die Tage, als die DDR im Schnee versank? Haben Sie noch Fotos vom Winter 1978/79? Dann schreiben Sie uns Ihre Erlebnisse auf und schicken uns auch Ihre Bilder von damals an online@volksstimme.de.

Hier geht es zu einer ganz besonderen Liebesgeschichte, die im Chaoswinter 1978/79 ihren Anfang nahm.