Ausstellungen

Willi-Sitte-Ausstellung öffnet

Von dpa 30.09.2021, 17:41 • Aktualisiert: 01.10.2021, 22:43

Halle - Als Teil des sozialistischen Systems ist Willi Sitte bis heute umstritten - der Maler Sitte gilt jedoch als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Am kommenden Montag öffnet in Halle (Saale) anlässlich seines 100. Geburtstages eine 250 Werke aus sieben Jahrzehnten umfassende Retrospektive, die sich mit dem Gesamtwerk Sittes auseinandersetzt.

„Wir müssen beginnen, ihn neu zu sehen“, sagte einer der Kuratoren, Paul Kaiser, bei einem ersten Rundgang durch die Ausstellungsräume im Kunstmuseum Moritzburg Halle. Über den Maler Sitte gebe es viele Meinungen, aber „wenig Wissen“. Man finde kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wirken Sittes.

Der Autodidakt Sitte war Präsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR und saß zeitweilig in der Kulturkommission des Zentralkomitees der SED. Wegen seiner Verflechtungen mit dem DDR-Regime ist er umstritten. Dennoch solle man mit Urteilen über den Künstler vorsichtig sein, betonte Kurator Eckhart Gillen. Er sehe in Sitte einen „neugierigen, kampfeslustigen und polemischen“ Charakter, der als Kulturpolitiker in der DDR zum strengen Funktionär wurde und ehemalige Freunde wie den Liedermacher Wolf Biermann öffentlich denunziert habe. „Er hatte sicher auch unangenehme Seiten“, sagte Gillen.

Die absolute Gleichsetzung Sittes als Repräsentant des DDR-Regimes habe ihm nach der Wiedervereinigung große Ausstellungen verhagelt, erklärte Kaiser. Dabei sei Sittes Kunst von internationaler Bedeutung. „Wer sich dem verschließt, hat auch unsere Kunstgeschichte nur anteilig rezipiert“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei dem Rundgang. Der Maler sei auch ein Abbild der Widersprüchlichkeit des vergangenen Jahrhunderts - Widersprüche, die viele historische Personen auszutragen hätten. Wer eine solche Ambivalenz ignoriere, werde vieles „der Gesamtproblematik des Zusammenwachsens nicht verstehen“, betonte Haseloff.

Die Ausstellung auf etwa 1500 Quadratmetern versteht sich den Kuratoren zufolge als Beitrag zur Aufarbeitung „der als Staatskunst apostrophierten Kunst“ Sittes.

Der Maler wurde am 28. Februar 1921 in Kratzau (Chrastava in Tschechien) geboren. An seinem langjährigen Arbeits- und Wohnort in Halle starb er am 8. Juni 2013 im Alter von 92 Jahren.