Magdeburg (aw/dpa) l Die Zahl der Wölfe ist in Sachsen-Anhalt 2019 weiter gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der ansässigen Rudel von 12 auf 15 zu. Die Zahl der Wolfspaare sank allerdings von drei auf zwei. Die Daten stammen aus aktuellen Erhebungen der Bundesländer, teilten das zuständige Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) am Montag mit.

Sachsen-Anhalt gehört damit zur Kernzone der Wolfspopulation in Deutschland. Diese erstreckt sich von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Niedersachsen.

Besonders viel Wolfsnachwuchs registrierten die Statistiker in Sachsen-Anahlt auf dem Truppenübungsplatz Klietz (7), in Altengrabow (6), in der Glücksburger Heide (6) bei Wittenberg sowie in der Oranienburger Heide und im Hohen Fläming (jeweils 6). Kein Welpe wurde dagegen in der Colbitz-Letzlinger Heide registriert, nur ein Jungtier im Zichtauer/Klötzer Forst.

Die genaue Zahl der Tiere für Sachsen-Anhalt lasse sich kaum angeben, hieß es vom Bundesamt für Naturschutz auf Volksstimme-Nachfrage. Experten gehen fürs Land aber weiter von nicht mehr als 100 Tieren aus.

Im vorangegangenen Monitoringjahr 2017/18 war die Zahl  noch mit 92 angegeben worden, ein Jahr davor mit 70 Tieren.

Deutschlandweit sind derzeit 105 Wolfsrudel registriert, die meisten in Brandenburg (41), gefolgt von Sachsen (22) und Niedersachsen (21). Von einem Rudel sprechen Experten ab drei und bis elf Tieren. Diese werden durch Sichtungen, Fotofallen oder Kotfunde erfasst.

Dem Monitoring zufolge gibt es neben den 105 Rudeln 25 Wolfspaare sowie 13 sesshafte Einzelwölfe. Damit ist die Zahl der Rudel auch bundesweit deutlich gestiegen, die der Paare hingegen zurückgegangen: 2017/18 waren bundesweit noch 77 Rudel, 40 Paare und 3 Einzelwölfe nachgewiesen worden.

Erstmals seit der Ausrottung des Wolfs in Deutschland sind im Beobachtungszeitraum vom 1. Mai 2018 bis 30. April 2019 zudem auch in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wieder einzelne ortstreue Wölfe bestätigt worden.

Insgesamt schätzen die Experten die Zahl der Wölfe in Deutschland damit auf mindestens 275 bis 301 erwachsene Wölfe. Auch die Zahl der tot aufgefundenen Wölfe ist im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent gestiegen. Waren es 2017/2018 noch 61 Tiere, wurden nun 99 Totfunde gemeldet.

Mehr als die Hälfte der 83 durch den Verkehr getöteten Wölfe waren Welpen“, sagte Beate Jessel, Präsidentin des BfN. Auch die Zahl illegaler Tötungen sei gestiegen: von 6 auf 8.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisierte, dass in der Bilanz der Nachwuchs nicht zahlenmäßig aufgeführt werde. Nach Hochrechnungen des Verbands lebten im Frühsommer 2019 rund 1300 Wölfe in Deutschland – erwachsene und Jungtiere. Für das Frühjahr 2020 prognostizieren die Jäger knapp 1800 Wölfe bundesweit.

In Deutschland habe sich bereits ein Wolfsbestand etabliert, der weit über dem liege, was in anderen europäischen Ländern als Gesamtbestand zugelassen werde, hieß es vom DJV weiter. In Frankreich etwa sei eine Obergrenze von 500 Wölfen festgelegt worden. Der Wolf ist nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union sowie nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Der DJV fordert, die Art ins Jagdrecht aufzunehmen. „Die Entwicklung der Wolfsbestände ist ein gutes Zeichen“, erklärte dagegen Magnus Wessel, Leiter der Naturschutzpolitik des BUND. Die Art sei bundesweit noch immer weit von einem günstigen Erhaltungszustand von 1000 erwachsenen Tieren entfernt.

Landesumweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) will heute eigene Zahlen zum Wolfsmonitoring für Sachsen-Anhalt vorlegen. Der Wolfsbestand zwischen Arendsee und Zeitz nimmt seit Beginn verfügbarer Daten 2012/13 zu. Damals lebten noch ein Rudel und ein Wolfspaar im Land.