Wölfe in Deutschland

Erstmals Wölfe wurden in Sachsen-Anhalt 2008 gesichtet. Seitdem breiten sich die Tiere über das Land aus.

Wolfsreviere finden sich im Norden und Osten des Landes. Derzeit sollen zwölf Rudel in Sachsen-Anhalt leben. Ihre Reviere erstrecken sich auch auf angrenzende Bundesländer.

Ursprünglich war der Wolf vom Nordpol bis an den Äquator verbreitet. Heute gibt es größere Bestände nur noch in den Wildnissen Kanadas und Russlands.

Wer in Deutschland einen Wolf tötet, muss mit Strafe rechnen. 2013 musste ein Jäger 3500 Euro bezahlen und verlor den Jagdschein.

Magdeburg l Der Wolf sorgt erneut für Unmut unter Landwirten. Erst jüngst hat es wieder Schafe aus der Herde von Torsten Kruse aus Uthmöden getroffen – zum dritten Mal. Einige Schafe brachen – vermutlich in Panik – aus der mit Zäunen und Kameras gesicherten Weide aus und sind einem Wolf zum Opfer gefallen. Auch Kruses Kaukasische Herdenschutzhunde, unter Experten der wirksamste Schutz gegen Wölfe, konnten nicht helfen.

Wie Gnus in Afrika

Nun taucht der Wolf noch in einem ganz anderen Zusammenhang auf. Seine Beute – Rot- und Dammwild – soll sich aufgrund des Jagddrucks zu immer größeren Rudeln zusammenschließen, die sich dann über die Äcker der Region hermachen. Das zumindest beklagen die CDU-Landtags- abgeordneten Guido Heuer und Detlef Radke. „Das ist wie in Afrika, wo sich Gnus mit großen Herden vor Löwen schützen“, erklärt der Landwirtschaftspolitiker Guido Heuer. Statt das Wild zu dezimieren, sorge der Wolf sogar für seine Vermehrung, so die These.

„Direkt erfasst haben wir das Problem noch nicht“, sagt Bauernverband-Geschäftsführer Christian Apprecht. Landwirte würden aber beobachten, dass sich vermehrt Tiere auf den Feldern versammeln. „Sie setzen bei der Geburt ihre Jungen dort auch ab, das ist sehr untypisch.“ Besonders betroffen sei das Grenzgebiet zu Brandenburg und Sachsen.

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Mit Zahlen kann der Bauernverband nicht aufwarten. „Das ist schwer fassbar“, sagt Apprecht. Die direkten Schäden des Wolfs an Nutztieren stünden bei der Arbeit des Verbands im Vordergrund.

„Eigentlich müssten die Landwirte zufrieden sein, dass die großen Predatoren wieder da sind“, sagt Nabu-Geschäftsführerin Annette Leipold. Schließlich würden Wolf und Luchs für eine Verminderung des Bestands sorgen.

Wildbiologe Mark Nitze sagt, dass die These von der Rudelbildung nicht nachgewiesen werden kann. „Wenn an einer Stelle eine gute Äsung ist, dann treffen sich dort die Tiere. Dafür braucht es keinen Wolf.“ Ein Wolfsrevier sei mit 250 bis 300 Quadratkilometern deutlich größer als die durchschnittlich 800 Hektar, auf denen Rotwild streift. Dadurch würde das Wild wenig Kontakt zu Wölfen haben. „Der Wolf ist mal da und gleich wieder weg“, sagt Nitze. Das Verhalten von Wild habe immer einen ganzen Faktoren-Komplex zur Ursache. Zu den Großrudelbildungen gebe es zudem kein Datenmaterial. „Man sollte erstmal richtig hinschauen, bevor man auf den Putz haut“, sagt Nitze.

Keine Fakten

Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolfsschutz relativiert die These ebenfalls. „Durch den Wolf kann es immer zu Verhaltensänderungen kommen. Allerdings sind das Meinungsäußerungen, das eigene Erleben ist immer schwer messbar.“ Ihm sei keine Forschung bekannt, die die These der CDU-Politiker objektiv untersucht habe.

Guido Heuer sagt, er möchte eine Diskussion über den Umgang mit dem Wolf beginnen. „In welchen Regionen kann ich wieviele Tiere ertragen. Das hat nichts mit Verdrängung zu tun“, sagt Heuer. Und es soll keine „Zehn-Jahre-Diskussion“ werden.

Auch Nabu und Jäger fordern schon lange ein Wolfsmanagement, wenn auch in unterschiedlicher Form. Die Jägerschaften wollen den Wolf in das Jagdrecht aufnehmen. Der Nabu sieht vor allem die Politik in der Pflicht und ruft nach Unterstützung und Entschädigung für betroffene Landwirte.

In Sachsen bringt der Wolf mittlerweile die Leute auf die Straße. In Bautzen forderten jüngst Demonstranten den Abschuss der Tiere. Für Andreas Berbig ist das keine Lösung. „Die Probleme wird man nie durch Bejagung beseitigen können.“

Derweil haben die umweltpolitischen Sprecher von CDU und CSU in einer „Dresdner Resolution“ den Abschuss von „Problemwölfen“ gefordert. Der Sachsen-Anhalter Detlef Radke gehört zu den Unterstützern. Herdenschutz reiche nicht mehr aus, so der Tenor des Papiers. Andreas Berbig sagt, dass man bei einzelnen Tieren, die immer wieder Schafherden angreifen, durchaus über „gezielte Maßnahmen“ nachdenken könne. Solche „Problemwölfe“ seien aber die absolute Ausnahme. „Wölfe ernähren sich nicht vorwiegend von Nutztieren“, sagt der Experte. Mark Nitze sieht das ähnlich: „Das Schaf gehört nicht zu den üblichen Beutetieren. Wenn die Raubtiere aber auf ihren Streifzügen ein langsames und ungeschütztes Nutztier finden, dann bedeutet dies vergleichbare leichte Beute.“

Der Abschuss des Wolfes wird durch diverse Vorschriften untersagt, teilt das Magdeburger Umwelt- und Landwirtschaftsministerium mit. Darunter fällt unter anderem das Washingtoner Artenschutzabkommen. Schäfer können sich den Kauf von Elektrozäunen fördern lassen. Die Unterstützung durch Herdenschutzhunde werde derzeit vorbereitet.