Magdeburg (dpa/sa) - Die ersten Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe in Sachsen-Anhalt dürfen trotz zu geringer Schülerzahlen ihre ersten beiden Abi-Jahrgänge selbst bis zum Abschluss ausbilden. Er habe entschieden, für drei Jahre eine Ausnahmegenehmigung zuzulassen, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) am Dienstag. Konkret geht es um die Gemeinschaftsschulen in Aschersleben (Salzlandkreis) und Wolmirstedt (Börde). Die Schulen sollen laut Tullner Zeit bekommen, um nachzuweisen, ob sie genügend Platz, Schüler und Personal hätten, um die eigene Oberstufe anzubieten.

Mit der Entscheidung des Ministers können die Schüler der zehnten und elften Klasse ihr Abitur direkt in den beiden Einrichtungen machen. Beide Schulen unterschreiten mit jeweils 41 Elftklässlern derzeit die Mindestzahl von 50 Schülern pro Jahrgang. Monatelang war daher offen, ob die Abiturausbildung vor Ort weitergehen darf.

Im Magdeburger Landtag hatten sich zuvor mehrere Politiker dafür ausgesprochen, den beiden Schulen mehr Zeit einzuräumen. "Ob sie eine Mindest-Jahrgangsstärke langfristig unterschreiten, kann nur die Praxis zeigen", hatte der Fraktionschef der oppositionellen Linken, Thomas Lippmann, gesagt. Auch SPD und Grüne, die mit Tullners CDU regieren, sprachen sich für eine Übergangszeit aus.

An Gemeinschaftsschulen lernen Kinder und Jugendliche gemeinsam bis zur achten Klasse. Dann entscheiden sie, ob sie den Zweig zum Realschulabschluss oder zum Abitur wählen. Die Schulform wurde 2012 vom damals SPD-geführten Kultusministerium eingeführt. Derzeit sind 42 von 224 weiterführenden Schulen Gemeinschaftsschulen. Nur fünf wollen ihre Schüler selbst zum Abitur führen. Die anderen arbeiten mit Gymnasien oder Einrichtungen zusammen, die eine Oberstufe haben.

Die anderen drei Gemeinschaftsschulen mit eigener Oberstufe in Halle, Bad Dürrenberg und Wittenberg sind in der Umstellungsphase und haben noch keine Jahrgänge der Klassen 11 bis 13. Bei diesen Schulen mache er sich weit weniger Sorgen, da sie viel höhere Schülerzahlen aufwiesen, sagte Tullner. Ihm zufolge sind 50 Schüler pro Jahrgang die Untergrenze, um das nötige Fächerangebot und eine "vernünftige Bildungsqualität" abzusichern.