Magdeburg (dpa/sa) - Vertreter des Fleischunternehmens Tönnies haben die Kritik an der Situation der Werkvertragsangestellten, die für die Firma arbeiten, als "maßlos übertrieben" zurückgewiesen. So stehe der Konzern im regelmäßigen Austausch mit den Subunternehmern, bei denen die Menschen angestellt sind, die im Tönnies-Schlachthof arbeiten, sagte der Prokurist der Tönnies Zerlegebetrieb GmbH aus Weißenfels, Andreas Töpfer, am Mittwoch im Sozialausschuss des Magdeburger Landtags.

Nach einem Ausbruch an dem Hauptstandort von Tönnies in Nordrhein-Westfalen waren die Arbeits- und Lebensbedingungen der Werkvertragsarbeiter bei Tönnies und in der Fleischindustrie generell erneut in die Kritik geraten. Die Unternehmen stellen die Arbeiter nicht direkt, sondern über Subunternehmen an. Die Kontrolle von Arbeits- und Lebensbedingungen ist dadurch schwierig.

Ab 2021 will die Bundesregierung Werkverträge in der Fleischindustrie verbieten. Tönnies will die Menschen dann direkt beschäftigen. Am Standort in Weißenfels werden die rund 2200 Angestellten derzeit auf das neuartige Coronavirus getestet, nachdem es vorige Woche bei einem Arbeiter nachgewiesen worden war.

Mehrere Abgeordnete übten bei der Befragung im Sozialausschuss scharfe Kritik an dem Unternehmen. "Tönnies agiert immer am unteren Rand des gesetzlich Erlaubten", sagte Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann. SPD-Arbeitsmarktexperte Andreas Steppuhn nannte das System der Werkverträge "ausbeuterisch" und forderte ein schnelles Ende dieser Beschäftigungsart.