Magdeburg (dpa) - Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle hat ein Sachverständiger für Rechtsextremismus davor gewarnt, dass die rechtsextreme Szene aus den Fehlern des Attentäters lernen könne. Das sei ein besonders besorgniserregender Aspekt des Anschlags, sagte am Dienstag der Soziologe Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft. Der Attentäter hatte den Anschlag mit selbstgebauten Waffen und Sprengsätzen begangen, viele davon hatten nicht funktioniert.

Die Öffentlichkeit könne mit ihrem Verhalten aber auch dazu beitragen, dass mögliche Nachahmer entmutigt werden, sagte Quent. Wenn nach Taten wie dem Anschlag von Halle die Opfer im Mittelpunkt stünden und nicht die Tat, könne der "Reiz der Aufmerksamkeit" abnehmen, auf den viele Attentäter aus seien, sagte der Forscher.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin eine Passantin, später einen jungen Mann in einem Döner-Imbiss und verletzte weitere Menschen. Der 28-jährige Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen Verschwörungstheorien begründet. Seit Juli läuft vor dem OLG Naumburg der Prozess, der aus Platzgründen in Magdeburg stattfindet.