Magdeburg (dpa/sa) - Das Herunterfahren des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Corona-Pandemie zeigt in Sachsen-Anhalt aus Sicht von Ministerpräsident Reiner Haseloff erkennbare Erfolge. Anders als in der Mehrheit der Bundesländer sei in Sachsen-Anhalt eine deutliche Deckelung des Infektionsgeschehens zu erkennen, sagte der CDU-Politiker am Montag nach einer fünfstündigen Schalte mit seinen Amtskollegen von Bund und Ländern. Am Dienstag will die schwarz-rot-grüne Landesregierung eine Zwischenbilanz ziehen. Dabei wird es aber nicht um vorzeitige Lockerungen gehen.

Trotz der positiven Tendenz werde Sachsen-Anhalt die bundesweit verhängten Beschränkungen bis Ende November aufrechterhalten. Auch für die Zeit danach seien Maßnahmen nötig, sagte Haseloff. Die könnten in Sachsen-Anhalt aber milder ausfallen als anderswo. "Es wird nicht so sein, dass zur Bewältigung von Hotspots Maßnahmen über ganz Deutschland gezogen werden", sagte der 66-Jährige. Vielmehr müsse in jedem Bundesland je nach Infektionslage gehandelt werden.

Derzeit sei das Ziel noch nicht erreicht, das Geschehen auf weniger als 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und Woche zu senken. Im Landesschnitt lag dieser Wert am Montag laut Gesundheitsministerium bei 65,6. Dabei reichte die Spanne von 14 Infizierten je 100 000 Einwohnern und Woche in Dessau-Roßlau bis zu 127 im Jerichower Land.

Bund und Länder hatten gemeinsam verabredet, für den gesamten November verschärfte Corona-Regeln zu verordnen, um den dynamischen Anstieg von Neuinfektionen zu bremsen und die Zahl der Corona-Fälle wieder zu senken. Deswegen gelten Kontaktbeschränkungen für alle. Touristische Übernachtungen und Restaurantbesuche sind verboten. Das Gastgewerbe ebenso weitgehend geschlossen wie der Kultur-, Freizeit und Sportbetrieb. Im Gegenzug sagte der Bund Entschädigungen für die betroffenen Branchen zu. Erste Abschläge sollen nach den bisherigen Planungen Ende des Monats gezahlt werden.

Bei ihrer Schalte am Montag verständigten sich die Regierungschefs von Bund und Ländern auf zahlreiche Appelle, um die Corona-Pandemie trotz der kälteren Witterung in den Griff zu bekommen. So sollen sich alle Menschen auf Treffen mit möglichst nur einem weiteren, festen Hausstand beschränken und bei Atemwegserkrankungen zuhause bleiben.

Ob ab Dezember auch schärfere Anweisungen statt Empfehlungen gelten, soll am 25. November in der nächsten Bund-Länder-Runde beraten werden. Dann soll auch feststehen, ob und wie bestehende Beschränkungen des öffentlichen Lebens verlängert oder ausgeweitet werden.

Kitas und Schulen sollen allerdings offen bleiben - und zwar möglich uneingeschränkt im täglichen Betrieb, sagte Haseloff. Es sei zu erkennen, dass es in diesem Bereich eine leichte Erhöhung der Fallzahlen gebe, die Schule als Lernort selbst aber kein Infektionstreiber sei.

Unterricht im sogenannten Wechselmodell, also abwechselnd in der Schule und mit Aufgaben und Digitalangeboten zuhause, soll es nur in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen geben, kündigte Haseloff an. Wenn Bayern und Nordrhein-Westfalen solche Modelle nutzten, sei das kein Automatismus, dass Sachsen-Anhalt das auch machen müsse.

Tweet-Thread der Staatskanzlei zum Verlauf der Corona-Infektionen nach Bundesländern