Magdeburg (dpa/sa) - Der rechtsterroristische Anschlag von Halle war nach Darstellung von Sachsen-Anhalts Verfassungsschutzchef Jochen Hollmann "weder vorhersagbar noch vorhersehbar". Das sagte er am Mittwoch in einer Sitzung des Untersuchungsausschusses des Landtages zu dem Thema. "Der Attentäter ist vor dem Anschlag nicht als Rechtsextremist aufgefallen." Auch sonst sei dieser weder in Sachsen-Anhalt noch in anderen Ländern oder bundesweit vor der Tat in den Fokus der Nachrichtendienste gerückt.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Attentäter versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort ein Massaker anzurichten. Dort feierten zu der Zeit 51 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Der Terrorist scheiterte an der Tür, erschoss dann zwei Menschen und verletzte auf der Flucht weitere, bevor ihn die Polizei festnahm. Der Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und steht seit Juli vor Gericht. Parallel arbeitet im Landtag der Untersuchungsausschuss den Anschlag und das Verhalten der Behörden auf.

Nicht nur über den Attentäter, auch über eine Gefahr für die Synagoge oder eine besondere Bedrohung an Jom Kippur habe der Verfassungsschutz nichts gewusst, sagte Hollmann am Mittwoch. "Es gab keinerlei Erkenntnisse, die über die allgemeinen Gefährdungsmomente, die über die Jahre bestanden, hinausgingen."

Der Attentäter hatte sich vor allem im Internet radikalisiert und Material und Know-how für den Waffenbau beschafft. Vor Gericht und im Ausschuss hatten mehrere Zeugen aus den Ermittlungsbehörden eingeräumt, das nicht gewusst zu haben und auch nach dem Anschlag einschlägige Plattformen nicht beobachtet zu haben. Im Sommer hatte Hollmann angekündigt, künftig Agenten auch online einzusetzen, um Extremisten aufzuspüren.