Halle (dpa/sa) - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau hat vor starken Asymmetrien in der Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Während beispielsweise der Online-Handel einen enormen Boom in der Krise erlebt habe, habe die Gastwirtschaft nie dagewesene Umsatzeinschnitte erlebt, erklärte der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau, Thomas Brockmeier, am Mittwoch. Dies habe gesellschaftliches Spaltungspotenzial.

Die Ergebnisse einer aktuellen Konjunkturumfrage in Sachsen-Anhalt hätten gezeigt, dass die Umsatzausfälle nicht nur existenzbedrohend, sondern mitunter bereits existenzvernichtend seien, erklärte Brockmeier. In den meisten der untersuchten Branchen herrsche nach einem schwierigen Jahr 2020 weiter ein pessimistischer Blick auf die kommenden Monate. Der Geschäftsklimaindex liege aktuell so niedrig wie zuletzt während der Finanzkrise vor etwa zehn Jahren. Im Gastgewerbe habe die Umfrage den niedrigsten Geschäftsklimaindex seit Beginn dieser Messung vor etwa 30 Jahren offenbart.

Die ungleiche Entwicklung vieler Branchen müsste einen Ausgleich finden, sagte Brockmeier. Es müsse über "Extra-Töpfe" nachgedacht werden, aus denen Unternehmen, die bisher durch die Förderung fielen, unbürokratisch unterstützt würden. Das Geld dafür könne nach Aussage Brockmeiers aus einer temporären Sonderabgabe von Betrieben kommen, die nachweislich durch die Umstände der Pandemie profitiert hätten.

Der Kammer-Präsident, Steffen Keitel, bekräftigte die Kritik an einem gesetzlich geregelten Anspruch auf Homeoffice. "Homeoffice bedarf keiner gesetzlichen Regelung." Er warf den politischen Entscheidungsträgern Profilierung auf dem Rücken der Wirtschaft vor. In den meisten Firmen würden bereits gute Lösungen gefunden werden.

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