Halle (dpa/sa) - Knapp ein Jahr nach dem rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge in Halle hat sich die jüdische Gemeinde am Montag zu Gebeten getroffen. Anlass ist der Feiertag Jom Kippur. Dabei gedachten die Gläubigen der verstorbenen Menschen und der Opfer des Anschlags vom 9. Oktober 2019. Ein Attentäter hatte damals zwei Menschen erschossen und mehrere Menschen schwer verletzt.

Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) war bei der Zeremonie der jüdischen Gemeinde in Halle dabei. Er appellierte an alle Menschen, zusammenzustehen, solidarisch zu sein und hochachtungsvoll miteinander umzugehen. Jüdisches Leben gehöre zur Gesellschaft und sei eine Bereicherung.

Der jüdische Buß- und Versöhnungstag Jom Kippur ist der höchste jüdische Feiertag und dauert in diesem Jahr von Sonntag- bis Montagabend. Wegen der Coronavirus-Pandemie feiert die Gemeinde in diesem Jahr nicht in der Synagoge, sondern aus Platzgründen in einem größeren Raum.

2019 hatte der schwer bewaffnete Rechtsextremist Stephan Balliet an Jom Kippur versucht, die Synagoge in Halle zu stürmen und ein Massaker unter 52 Besuchern anzurichten. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine Passantin und in einem Dönerimbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mehrere Menschen teils sehr schwer. Gegen ihn läuft am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, hatte vorab betont, dass sich die Gemeinde trotz der traumatischen Erlebnisse nicht von dem Attentat unterkriegen lassen wird. So sind am 9. Oktober dieses Jahres Veranstaltungen in Halle geplant, mit denen auch das Land und die Menschen in der rund 240 000 Einwohner zählenden Stadt nach Angaben der Organisatoren ein deutliches Zeichen im Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus setzen wollen.

Jüdische Gemeinde zu Halle