Magdeburg (dpa/sa) - Der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, sorgt sich um die Demokratie. "Lange Zeit war ich der festen Meinung, dass sich die Demokratie bewährt, dass man sie schätzt und auch mitgestaltet. Seit einigen Jahren mache ich mir um ihren Fortbestand aber schon einige Sorgen", sagte Feige der Magdeburger "Volksstimme" (Dienstag). Das sei ein internationales Phänomen. "Persönliche und nationale Interessen sind auf einmal wichtiger als der Sinn für das Gemeinwohl, für Solidarität und Mitmenschlichkeit. Das hatte ich so nicht erwartet", sagte der Katholik.

Die Polarisierung in der Gesellschaft habe zugenommen, Umgangsformen würden rauer, unverschämtes Verhalten greife immer mehr um sich, Sündenböcke würden gesucht. "Um in einer solchen Atmosphäre menschliches Zusammenleben konstruktiv zu gestalten, braucht man viel Kraft, Elan und Mut", sagte der Theologe. Die Zivilgesellschaft sei gefordert. Die Demokratie müsse noch verständlicher gelebt werden und möglichst viele Menschen aktiv mit einbeziehen.

Und: "Der Staat ist in der Pflicht, alle seine Mittel einzusetzen, um auch weiterhin die Würde des Menschen und die Freiheit des Zusammenlebens garantieren zu können." Das staatliche Gewaltmonopol müsse konsequent angewendet werden, damit die Demokratie nicht untergraben und zu Fall gebracht werde. Dazu gehöre auch, Straftäter entsprechend zu verfolgen und zu bestrafen. "Und da kann es nicht sein, dass manche vielleicht davonkommen, weil es zu wenig Richter gibt", sagte Feige, der dem Bistum Magdeburg vorsteht. Dessen Gebiet erstreckt sich über Sachsen-Anhalt.

"Volksstimme"-Interview mit Bischof Gerhard Feige