Magdeburg/Halberstadt (dpa/sa) - Extreme Witterung mit Trockenheit und Stürmen schädigt die Wälder in Sachsen-Anhalt weiter massiv. Zunehmend sind neben den Nadelbäumen auch Laubbäume betroffen, wie Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) am Donnerstag bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts sagte. Pilze spielten eine zunehmende Rolle. Sie träten zusammen mit schädlichen Insekten wie Borken- und Prachtkäferarten auf und verschärften den Schadensverlauf. Seit rund zweieinhalb Jahren seien die Wasservorräte im Boden nicht mehr aufgefüllt worden. Entsprechend geschwächt seien die Bäume.

"Die Gefährdungslage in den Wäldern bleibt weiterhin hoch", sagte Dalbert. In den Wäldern stünden auf 25 000 Hektar inzwischen keine Bäume mehr, das seien rund fünf Prozent der gesamten Waldfläche. Wichtig sei, neue Bäume anzupflanzen und für klimastabile Mischwälder zu sorgen.

Um den Zustand der Wälder einzuschätzen, sehen sich Forstexperten besonders die Kronen der Bäume an, wie Johannes Eichhorn, Abteilungsleiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, erklärte. Es werde eingeschätzt, wie üppig oder kahl die Krone sei. Ergebnis des jetzigen Waldzustandsberichts ist, dass die Bäume im Durchschnitt 25 Prozent weniger Laub oder Nadeln trugen als optimal gewesen wäre. Das sei ein sehr hoher Wert, sagte Eichhorn. "Wir haben es mit einer schon kritischen Situation zu tun." Man könne nicht davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren eine Verbesserung des Waldzustands eintrete, selbst wenn die Witterung günstiger sei, sagte Eichhorn.

Er blickte auf den Zustand unterschiedlicher Baumarten: "Wir haben in den letzten drei Jahren eine drastische Verschlechterung des Kronenzustands der Fichte", sagte Eichhorn. Im Durchschnitt hätten sie eine sogenannte Kronenverlichtung von 55 Prozent. Es stürben viele Fichten ab. Dabei spielten die Borkenkäfer eine Rolle. Stürme und Trockenheit setzten den Fichten zusätzlich zu, in den Höhenlagen des Harzes. Das sorge teils für große Freiflächen.

Die Kiefer, die in Sachsen-Anhalt fast 60 Prozent aller Bäume ausmache, könne mit Hitze und wenig Wasser recht gut umgehen. In den vergangenen drei Jahren seien vor allem die älteren Kiefern zunehmend geschädigt worden. Ein Pilz sorge für ein bestimmtes Triebsterben. "Wir müssen da sehr genau hinschauen, wie es sich weiterentwickelt. Denn die Kiefer ist in Sachsen-Anhalt die Baumart, auf die wir nach wie vor große Stücke setzen müssen in der waldbaulichen Entwicklung", sagte Eichhorn.

Buchen machen den Forstexperten auch Sorge. Die Absterberate liege dort bei zwei Prozent und damit höher als in allen Jahren zuvor. Allerdings sei es noch kein Problem auf großen Flächen. Der Zustand der Eichen habe sich in den vergangenen drei Jahren ebenfalls verschlechtert.

Im besonders stark betroffenen Landkreis Harz hat unterdessen ein Krisenstab Wald die Arbeit aufgenommen. Ziel sei, gemeinsam mit allen Interessenvertretern nach Lösungen zu suchen - etwa für die Wiederaufforstung, die Vermarktung des Holzes und den Waldbrandschutz, teilte der Landkreis mit. Beteiligt seien Waldbesitzer, Behörden und Vertreter der Feuerwehr. Auch Touristiker und die Hochschule Harz sollen eingebunden werden. Gemeinsam solle ein Maßnahmenkatalog mit Aktivitäten und Forderungen erarbeitet werden.

Sachsen-Anhalts Landesfläche ist laut dem Umweltministerium zu etwa einem Viertel von Wald bedeckt. Rund 58 Prozent davon sind Nadel- und 42 Prozent Laubwald.

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