Magdeburg/Halle/Stendal (dpa/sa) - Beim Puppentheater Magdeburg sind die Pläne für die Wiedereröffnung nach der verordneten Corona-Pause klar: Es wird Sommertheater im Freien gespielt, "Ein Spätsommernachtstraum", frei nach William Shakespeare. Die Proben laufen seit drei Wochen, wie Regisseur Moritz Sostmann sagt. Premiere ist am 20. Juni, alle Karten sind verkauft. So klar ist die Lage in vielen anderen Theatern in Sachsen-Anhalt noch nicht. Die meisten Häuser feilen noch an einem Ersatzspielplan, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Erst vor nicht einmal zwei Wochen stellte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) öffentlich in Aussicht, dass die Bühnen nach gut zwei Monaten Schließung wieder öffnen dürfen, Schwarz auf Weiß haben es die Theatermacher erst seit wenigen Tagen. Noch schneller als das Magdeburger Puppentheater reagierte das Theater der Stadt. Unter dem Motto "Wir spielen für sie" legte es zunächst für Schauspiel und Opernhaus eine Handvoll Termine fest und startete am Freitag vor Pfingsten - passenderweise mit der "Pest" nach Albert Camus.

In Halle sind die Theatermacher hingegen noch dabei, ein Sommertheater auf die Beine zu stellen, wie ein Sprecher der Bühnen Halle sagte. Das Theater der Altmark in Stendal kündigte an, Mitte Juni den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu wollen. Das Nordharzer Städtebundtheater probe bereits "Corona-Versionen" seiner Stücke und wolle Anfang Juni konkrete Pläne bekannt geben, sagte ein Sprecher.

Das Theater Naumburg setzt seinem Spielplan zufolge weiterhin auf digitale Aufführungen, die es auf seiner Internetseite veröffentlicht.

Das Anhaltische Theater in Dessau will in dieser Spielzeit nicht mehr starten. Die Beschäftigten seien im April und im Mai in Kurzarbeit gewesen, teilten Generalintendant Johannes Weigand und Verwaltungsdirektor Lutz Wengler auf Anfrage mit. Die verbleibenden knapp vier Wochen der laufenden Spielzeit brauche das Theater, um den Proben- und Vorstellungsbetrieb der nächsten Spielzeit vorzubereiten. Wenn alles genehmigt werde, solle die nächste Saison dann im September mit einem Freiluft-Eröffnungskonzert starten.

Die Planungen machen auch den Häusern zu schaffen, die noch vor den Theater-Sommerferien wieder Stücke anbieten wollen. "Wir sind jetzt wieder dabei, zu proben", sagt Oliver Theuring vom Nordharzer Städtebundtheater. Dabei müssten die eingeübten Stücke umgestellt werden, weil wegen Corona auch auf der Bühne ein Mindestabstand vorgeschrieben ist. Außerdem müssen neue Spielstätten her. "Wir wollen hauptsächlich Freiluft machen." Kommende Woche sollen die Planungen abgeschlossen sein. Ähnliches meldet eine Sprecherin des Theaters der Altmark in Stendal: Vor allem draußen und konkrete Spielpläne kommende Woche.

"Normalerweise liegt ein Plan für eine Spielzeit vor, jetzt müssen wir in kürzester Zeit gucken, was lässt sich proben und das zusammenstellen", sagt die Sprecherin des Magdeburger Theaters Christine Villinger. "Die Pest" von Camus aus dem aktuellen Repertoire habe sich da angeboten. Aber nicht in erster Linie wegen des Themas einer grassierenden Krankheit. "Monologe sind höchst willkommen" - und die Adaption des Klassikers war zufällig als solche angelegt, der Umplanaufwand gering.

Schauspiel und Opernhaus wollen bis 2. Juli immer wieder Bühnenabende anbieten. Die meisten der bereits bekannten Vorstellungen sind bereits ausverkauft - allerdings gibt es auch deutlich weniger Plätze als sonst, weil wegen der Corona-Regeln Abstand auch im Zuschauerraum gewahrt werden muss. Geplant sei, dass im Opernhaus die Kapazität bald von 50 auf 100 verdoppelt werden könne, sagt Villinger.

Auch das Puppentheater Magdeburg darf nur 60 Zuschauer pro Vorstellung für sein Hofspektakel auf sein Gelände lassen - statt der geplanten 130. Ansonsten hatte das Theater mit Blick auf die kurzfristige Wiederöffnungserlaubnis Glück im Corona-Unglück: Das Sommertheater ist seit Jahren fester Bestandteil des Programms.

Noch vor der angeordneten Schließung im März legte der Bühnenbildner extra einen künstlichen Wald samt vergammeltem Trabi, Mooshügeln und Brücke an, wo sonst ein Kiesplatz ist. In dieser Kulisse wird vom 20. Juni an ein "Spätsommernachtstraum" nach Shakespeare mit fast lebensgroßen Puppen gezeigt. Es sind die altbekannten Figuren des Klassikers, aber sie sind nicht jugendliche 18, sondern betagte 80, beschreibt Regisseur Moritz Sostmann die Grundidee.

Er habe vor zwei Jahren ein Stück über die Bewohner eines Demenzzentrums gemacht und sich "in das Alter als Thema verliebt", sagt er. Als er überlegte, was er für das 4. Hofspektakel unter seiner Regie auswählen könnte, kam er darauf, den Sommernachtstraum mit Puppen des älteren Semesters zu besetzen. "Wenn man es so liest, dann kriegen die Sätze noch einmal ein ganz anderes Gewicht, denn es geht viel um Liebe und den Tod und der Glücksanspruch nimmt ja auch im Alter nicht ab", sagt Sostmann.

Jetzt kamen die Lockerungen gerade zur richtigen Zeit, um das Stück tatsächlich wie geplant einzustudieren und auf die Bühne zu bringen. Für Proben im Freien gebe es kaum Auflagen, sagt Sostmann. "Die Erfahrung unter den jetzigen Regeln ist zwar für jeden neu, aber das Verrückte ist, dass man nach zwei bis drei Tagen merkt, dass es geht." Doch die Proben zeigen: Einschränkungen gibt es dann doch.

Als die drei Puppenspieler auf der Bühne mit ihren Puppen in einer Eifersuchtsszene zu nah aneinanderrücken, muss Sostmann eingreifen. "Das ist ganz schön so", sagt er. "Aber ihr seid zu nah beieinander, da müsstet ihr Mundschutz tragen." Das Trio rückt auseinander.

Digitaler Spielplan des Theaters Naumburg

Informationen zum Ersatzspielplan beim Theater der Altmark

Informationen zum Nordharzer Städtebundtheater

Informationen der Bühnen Halle

Ersatzspielplan des Theaters Magdeburg

Informationen zum Hofspektakel am Puppentheater Magdeburg