Halle (dpa/sa) - Das vor einem Jahr vom Bund beschlossene Gesetzespaket für einen sozialen Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt in Sachsen-Anhalt erste Ergebnisse. In 850 Fällen hätten Menschen, die jahrelang ohne Job und Vermittlungserfolge waren, dadurch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. "Wir sind überrascht, dass in Sachsen-Anhalt davon deutlich mehr als die Hälfte (62 Prozent) der neu Eingestellten in privatwirtschaftlichen Bereichen eine Tätigkeit bekommen haben", sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, in Halle. Dazu gehörten hauswirtschaftliche oder einfache handwerkliche Tätigkeiten.

Senius sagte, er sei zunächst davon ausgegangen, dass sich vor allem Verbände und kommunale Firmen für die neuen Möglichkeiten von geförderter Beschäftigung zur sozialen Teilhabe interessieren werden. "Die bisherigen Zahlen klingen zwar bescheiden, aber es handelt sich auch um die Menschen, für die es aus unterschiedlichsten Gründen bisher nicht möglich war, überhaupt eine Beschäftigung zu finden".

Bedingung für diese speziell geförderten Beschäftigungsverhältnisse - den sozialen Arbeitsmarkt - sei, dass die Betroffenen seit sechs oder mehr Jahren Leistungen der Grundsicherung (Hartz IV) erhalten haben. Zudem müssen sie älter als 25 Jahre sein. Ohne die neue Möglichkeit des sozialen Arbeitsmarktes mit einem anfangs 100-prozentigen Lohnkostenzuschuss hätten die betroffenen Menschen so gut wie gar keine Chance auf Beschäftigung. "Sie würden trotz der großen Nachfrage nach Arbeitskräften übrig bleiben", sagte Senius. Dazu gehörten Langzeitarbeitslose mit geringer Qualifikation, ohne Berufsausbildung, mit gesundheitlichen Einschränkungen, Ältere, aber auch Familien und Alleinerziehende mit langer Arbeitslosigkeit.

"Wir erhoffen uns einen "Klebeeffekt", sprich, dass die Menschen nach der Förderung in Beschäftigung, im Unternehmen, bleiben", sagte Senius. Er appellierte an die Arbeitgeber, das Instrument des sozialen Arbeitsmarktes mit einer Förderung von bis zu 100 Prozent des Mindest- oder Tariflohns kräftig zu nutzen, um Langzeitarbeitslose wieder in das Berufsleben zu integrieren. In Sachsen-Anhalt ist den Angaben nach jeder Dritte der rund 77 700 Arbeitslosen (Dezember 2019) länger als ein Jahr ohne Job.

Darüber hinaus fördere das Gesetzespaket die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen, die mindestens zwei Jahre arbeitslos waren, für die Dauer von zwei Jahren. Von den bislang rund 350 Förderfällen in Sachsen-Anhalt seien bei diesem Instrument 90 Prozent der Betroffenen von privatwirtschaftlichen Arbeitgebern übernommen worden, sagte Senius. Der Bund stellt für die Umsetzung des Gesetzespakets in Deutschland den Angaben nach bis 2022 rund vier Milliarden Euro zur Verfügung. Ziel sei es, bis zu 150 000 Langzeitarbeitslose mit verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen zu erreichen, um sie für den Arbeitsmarkt fit zu machen.

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