Magdeburg (dpa/sa) - Während mobile Teams in Sachsen-Anhalt kurz nach dem Start bereits mehrere tausend Menschen gegen das Coronavirus geimpft haben, werden vor allem im Süden des Landes die Klinikbetten knapp. Die Aufnahme von Corona-Patienten ist beispielsweise im seit Wochen überdurchschnittlich betroffenen Burgenlandkreis eingeschränkt - und zwar nicht nur für Intensivpatienten, wie Amtsärztin Ina Schmidt am Dienstag in Naumburg sagte. Neben knappen Bettenkapazitäten müssten die drei Kliniken im Kreis mit Personalsorgen kämpfen. So seien in Naumburg und Zeitz rund 90 Klinik-Beschäftigte selbst an Corona erkrankt oder wegen eines Ansteckungsverdachts in Quarantäne.

Die Kliniken organisierten untereinander die Verlegung von Covid-Patienten in andere Einrichtungen, sagte Schmidt weiter. Vor allem ins nördliche Sachsen-Anhalt, wo die Situation weniger angespannt sei. Zuvor hatte bereits Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand von einer angespannten Lage in den Kliniken berichtet. Im Raum Halle meldeten vier von sechs Krankenhäusern bei der Auslastung die höchste Alarmstufe rot, so der parteilose Stadtchef.

Eine Übersicht, wie viele Covid-Patienten aktuell im Krankenhaus versorgt werden, gibt es nur für die besonders schweren Fälle auf den Intensivstationen. Am Dienstag wurden landesweit 165 Männer und Frauen wegen einer Corona-Infektion intensivmedizinisch betreut und 91 von ihnen wurden beatmet, wie das Sozialministerium mitteilte. Vor einer Woche waren 128 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums steigt die Zahl der Corona-Toten weiterhin deutlich, während die Zahl der nachgewiesenen aktiven Fälle sinkt. Von Montag auf Dienstag wurden 31 Sterbefälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet, die meisten aus dem Kreis Stendal (8 Fälle) und dem Saalekreis (7). Gleichzeitig wurden 571 neue positive Corona-Testergebnisse binnen eines Tages gemeldet. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr steckten sich damit nachweislich knapp 28 600 Sachsen-Anhalter an.

Die Zahl der aktiven Fälle sank hingegen von 7035 auf 6969. Binnen einer Woche steckten sich nachweislich 197 von 100 000 Sachsen-Anhaltern mit dem Virus an - der Wert ging damit den sechsten Tag in Folge zurück.

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), warnte davor, die Rückgänge überzubewerten. An den Weihnachtsfeiertagen seien weniger Corona-Tests ausgewertet worden, allein in seinem Kreis stünden noch 130 Ergebnisse aus, sagte er.

Mitte Dezember waren die Beschränkungen des öffentlichen Lebens noch einmal deutlich verschärft worden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen und die Zahl der Neuinfektionen deutlich zu senken. Anfang Januar soll geprüft werden, inwiefern die Maßnahmen greifen.

Parallel dazu werden Bewohner in Altenheimen, ihre Pfleger sowie Beschäftigte in Kliniken gegen das Coronavirus geimpft. In Sachsen-Anhalt wurden in den ersten Tagen fast 4000 Dosen verabreicht, wie das Sozialministerium mitteilte. Halle war besonders eifrig: Auf die größte Stadt des Landes entfielen mit 1030 Impfungen gut ein Viertel der landesweit verabreichten Mengen. Im ungefähr gleich viele Einwohner zählenden Magdeburg wurden laut Übersicht im gleichen Zeitraum knapp 360 Impfungen verabreicht.

Kurz nach Weihnachten hatte Sachsen-Anhalt die erste Lieferung überhaupt mit dem ersten in Europa zugelassenen Corona-Impfstoff bekommen. Die 9750 Dosen sollen bis Jahresende verabreicht werden. Am Mittwoch wird zudem Nachschub erwartet - und zwar eine doppelt so große Lieferung. Sie soll ebenfalls an die Kreise und kreisfreien Städte verteilt werden.

Mehrere Kreise baten am Dienstag um Geduld bei denjenigen, die fern der Pflegeheime und des Gesundheitswesens eine Impfung haben wollen. Derzeit könnten noch keine Termine vergeben werden, teilte etwa der Kreis Harz mit. Sollte ausreichend Impfstoff nachgeliefert werden, könnte es Mitte Januar im Impfzentrum losgehen. Ähnlich äußerte sich Landrat Ulrich aus dem Burgenlandkreis.