Diskus-Ass Nadine Müller gibt dem SC Magdeburg einen Korb

Magdeburg/Halle l Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Das haben sich nach Olympia in London und dem damit verbundenen schlechtesten Abschneiden des SC Magdeburg seit 1992 auch Vereinspräsident Dirk Roswandowicz und sein Marketing-Mitstreiter Christopher Könnecke gedacht. Doch ihre Initiative, mit Speerwurf-Weltmeister Matthias de Zordo als Zugpferd ein "Elite-Wurfteam Deutschland" zu gründen (Volksstimme berichtete), fand längst nicht überall Freunde. Selbst aus dem eigenen Verein wehte ein kräftiger Gegenwind.

Unbeirrt von den zwiespältigen Reaktionen bastelten die SCM-Vorreiter in den vergangenen Wochen an einem weiteren "Knaller" - doch dieser entpuppte sich nun als Fehlzündung: Diskus-Vize-Weltmeisterin Nadine Müller aus Halle gab den Magdeburgern einen Korb.

"Es gab mehrere persönliche Gespräche mit Nadine", bestätigte Roswandowicz auf Volksstimme-Anfrage "enge Kontakte" zur Hallenserin, die bei Olympia in London das Medaillenpodest knapp verpasst hatte. Der SCM habe der 26-jährigen Blondine ein "sehr lukratives Angebot gemacht", verrät der SCM-Boss, der sogar bereit gewesen wäre, "Kompromisse einzugehen, was den Trainingsort anbelangt. Sie hätte in Halle bei René Sack weitertrainieren können."

Auch die Finanzierung des Gesamtpaketes Trainer/Athlet sei "dank Sponsorenhilfe" gewährleistet gewesen. "Und auch von unserem Konzept mit dem Wurfteam an sich, in das Nadine Müller nicht nur von der Leistung, sondern eben auch von ihren Wurzeln und ihrer Ausstrahlung her perfekt hineingepasst hätte, war sie begeistert."

Dennoch gewann am Ende Müllers Heimatverein, die Halleschen Leichtathletik-Freunde, das Tauziehen. An dem haben sich nach Volksstimme-Informationen neben dem SCM auch noch drei weitere finanzkräftige Vereine beteiligt, und es ist zu vermuten, dass die Hallenser weder Kosten noch Mühen gescheut haben, ihr Aushängeschild zu halten.

An den Spekulationen zu den Gründen, die zu Müllers Absage geführt haben könnten, wollte sich Roswandowicz nicht beteiligen: "Ich kann nur so viel sagen: Nadine hat sich vor ein paar Tagen bei mir gemeldet und gesagt, es tue ihr leid. Das Angebot sei toll gewesen, aber sie habe sich entschieden, in Halle bei Trainer Rene Sack zu bleiben, wo sie alles kompakt in der Nähe hat und ja auch ein Haus besitzt."

Trotz dieser Abfuhr und der Erkenntnis, dass es "schwerer ist, deutsche Wurfasse oder eben auch Talente in unser Team nach Magdeburg zu locken, als wir gedacht haben", halten Roswandowicz & Co. an ihrem ehrgeizigen Projekt fest: "Viele Athleten haben eine besonders enge Verbindung zu ihrem Trainer und wollen nur im Gesamtpaket wechseln, aber gute Trainer haben wir ja vor Ort."

Einige andere seien dagegen "stark interessiert" und könnten noch bis zum Ende der Wechselfrist am 30. November zum SCM stoßen. Bereits fest zugesagt hat der 19-jährige Speerwerfer Christian Ebert. Das hoffnungsvolle Talent kommt vom OSC Potsdam und verstärkt die Gruppe von Ralf Wollbrück, der auch Neuzugang de Zordo trainiert. Zudem habe man, so Roswandowicz, zwei weitere Nachwuchs-athleten an der Angel. Wenn das nicht klappe, sei das auch kein Drama: "Unser Projekt ist langfristig und nachhaltig angelegt. Wenn also erst im kommenden Sommer der eine oder andere zu uns kommt, ist das auch okay. Was Rio 2016 betrifft, da hat unser Elite-Wurfteam ohnehin neben de Zordo mit Martin Wierig, Heike Koderisch und Josephine Terlecki noch drei weitere heiße Eisen im Feuer."

Inzwischen haben sich auch im Verein die Wogen geglättet. "Dass es intern Gegenwind gab, lag vor allem an der fehlenden Kommunikation", so Roswandowicz. Inzwischen habe man mit allen gesprochen und das Konzept vorgestellt: "Die Bedenken verstehe ich, und eine Erfolgsgarantie für unseren Weg, verstärkt Schwerpunkte zu setzen, gibt es nicht. Aber hätten wir die Hände in den Schoß gelegt, gäbe es für 2016 auf jeden Fall eine Misserfolgsgarantie."