Europa-League-Sieger

Autokorso stockt: Eintracht-Helden lassen Fans warten

In der Frankfurter Innenstadt feiern Tausende Fans den großen Coup von Eintracht Frankfurt im Europa-League-Finale. Nur die Eurohelden kamen zu spät. Der Autokorso des Teams gerät ins Stocken.

Von Andreas Schirmer, Jenny Tobien und Eva Krafczyk, dpa Aktualisiert: 19.05.2022, 21:27
Frankfurt-Coach Oliver Glasner (M) auf dem Weg zum Frankfurter Römer.
Frankfurt-Coach Oliver Glasner (M) auf dem Weg zum Frankfurter Römer. Thomas Frey/dpa

Frankfurt/Main - Die zigtausenden enthusiastischen Fans von Eintracht Frankfurt sind bei wolkenbruchartigen Regenfällen auf eine harte Geduldsprobe gestellt worden.

Auf dem Weg vom Flughafen zum Römerberg hatten viele Anhänger und Schaulustige das Fortkommen des Autokorsos mit den Eurohelden verzögert. Einen Tag zuvor hatte der Fußball-Bundesligist das Finale der Europa-League in Sevilla mit 5:4 im Elfmeterschießen gewonnen. Seitdem herrschte in der Mainmetropole Ausnahmezustand. Insgesamt waren 100.000 Anhänger zur Party in der Innenstadt erwartet worden.

Pünkt gelandet, dann stockt es

Mit dem silbernen Pott im Gepäck war der Eintracht-Tross am Flughafen der Mainmetropole am Donnerstag überpünktlich gelandet. Im Autokorso ging es langsamer als geplant zum zehn Kilometer entfernten Römer. Noch vor der Ankunft setzte strömender Regen ein, begleitet von Blitz und Donner. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Die Fans stimmten umso lauter Eintrachthymnen wie „Wir sind alle Frankfurter Jungs“ oder „Hier regiert die SGE“ an.

Die Anhänger des Bundesligisten mit der Adresse „Im Herzen von Europa“ wurden nicht nur klitschenass. Sie mussten sich auch nach Eintreffen der Mannschaft in Geduld üben, bis sich Elfmetertöter Kevin Trapp oder Rafael Borré, der den letzten Ball vom Punkt einschoss, auf dem Balkon zeigten. In einer Feierstunde im Kaisersaal des Rathauses würdigte die Stadt den grandiosen Erfolg der Eintracht mit dem Eintrag ins Goldene Buch. „Ein Traum wird wahr. Ihr seid unsere Helden!“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Der erste Gewinn eines europäischen Titels nach 42 Jahren verschafft nicht nur Frankfurt Strahlkraft, sondern auch dem deutschen Fußball mehr das Ansehen und dem Traditionsclub mit inzwischen 100.000 Mitglieder viel Auftrieb. Nicht auszudenken, wenn die Eintracht, die durch den Europacup-Sieg in die Champions League einzog, auch am 10. August beim Supercup für Furore sorgt. Dann heißt der Gegner in Helsinki FC Liverpool oder Real Madrid.

Feiern bis in den frühen Morgen

Die Fußballprofis hatten bis um sechs Uhren morgens in einem Club in Sevilla den märchenhaften Erfolg ausgiebig gefeiert. „Es ist sehr feuchtfröhlich gewesen“, berichtete Vorstandssprecher Axel Hellmann dem Hessischen Rundfunk währende der Fahrt in die City und frohlockte selig über „eine tolle Gemeinschaft mit großem Zusammenhalt“. Eintracht-Trainer Oliver Glasner wollte nach der großen Siegessause weiterfeiern: „Wir werden sehen, wie es in der Nacht weitergeht.“

Nach Abpfiff des Endspiels war zugleich Anpfiff für die große Party der außer Rand und Band geratenen Eintracht-Anhängern in den Kneipen und Straßen der hessischen Landeshauptstadt gewesen. Die Jubelschreie, Fangesänge und das unentwegte Hupkonzert der Autos wollten bis zum Morgengrauen kein Ende nehmen. Allein rund 60.000 Fans hatten im Frankfurter Stadion beim Public Viewing das Jahrhundertspiel für die Hessen erlebt.

Nicht nur die abertausenden Fans huldigten nach den Sensationscoup die hessischen Starkicker, sondern auch die Politik. „Wir haben wahre Champions gesehen“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Der historische Triumph sei ein großartiger Erfolg für den ganzen deutschen Sport, befand die hessische SPD-Landesvorsitzende.

Begeistert war ebenso Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier „Eintracht Frankfurt ist ein echtes Aushängeschild. Wir sind sehr stolz auf diese Leistung“, sagte der CDU-Politiker. Hin und weg war der Grünen-Bundesvorsitzende, Omid Nouripour. „Fragt nicht, ob es passiert ist. Ich weiß es nicht. Aber ich werde die nächsten 42 Jahre grinsend darüber nachdenken“, twitterte der Vorsitzende des Eintracht-Fanclubs Bundesadler im Bundestag.