Berlin (dpa) - Die starke Belastung seiner Spieler wollte Hansi Flick nicht als Entschuldigung anführen. "Den frischesten Eindruck machen wir aktuell nicht", sagte der Bayern-Trainer nach einem 1:1 bei Union Berlin, das aus Münchner Sicht durchaus noch als Punktgewinn gewertet werden darf.

Die Probleme waren eher hausgemacht am 11. Spieltag der Fußball-Bundesliga, machte Flick klar: "Zu viele einfache Fehler" und zu geringer Glaube an die eigenen Fähigkeiten führte der Champions-League-Macher als Gründe für den verpassten Sieg bei couragierten Berlinern an. "Wir müssen einfach auch unter Druck an unsere Qualität glauben", sagte Flick.

Die Eisernen erspielten sich sogar die besseren Möglichkeiten und hätten den Münchnern auch alle drei Punkte abknöpfen können. "Unser Plan ist gut aufgegangen. Mit mehr Entschlossenheit und Effizienz wäre ein Sieg möglich gewesen", bemerkte Union-Coach Urs Fischer, freute sich aber über das gute Spiel seiner Elf und das "verdiente Resultat". Union steht mit 17 Punkten weiter überraschend auf Tabellenplatz sechs.

Grischa Prömel brachte die engagierten Gastgeber schon zeitig in Führung (4. Minute). Bayerns Toptorjäger Robert Lewandowski glich aus (67.) und rettete Bayern vor den nun punktgleichen Leipzigern zumindest noch die Tabellenspitze. "Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht", sagte Bayern-Profi Thomas Müller. "Für unsere eigenen Ansprüche fühlt sich das natürlich als zu wenig an."

Torhüter Manuel Neuer ärgerte sich über das 17. Gegentor der Saison - zum sechsten Mal in Serie spielten die Münchner nicht zu null. "Als Torwart nervt es natürlich immer", sagte Neuer. Bayer Leverkusen könnte am Sonntag mit einem Sieg gegen die TSG Hoffenheim noch an den Bayern vorbeiziehen.

Der Schweizer Fischer hatte seinem Team keinesfalls eine Mauertaktik verordnet, sondern eine disziplinierte Defensive. Und offensiv überraschten die Berliner den Champions-League-Sieger gleich zum Start. Nach 52 Sekunden tauchte Taiwo Awoniyi allein vor Neuer auf, mit der Hand lenkte der Nationalkeeper den Ball noch um den Pfosten.

Knapp drei Minuten später war nach Ecke von Kapitän Trimmel Mittelfeldmann Prömel eher als Robert Lewandowski am Ball und köpfte ins lange Eck ein. Es war das erste Bundesliga-Tor für den 25-Jährigen, der 2016 unter anderen zusammen mit Serge Gnabry und Leon Goretzka die olympische Silbermedaille geholt hatte. "Heute waren die Bayern schlagbar, es harmoniert einfach", sagte Prömel.

Für die leichtsinnig operierenden Bayern war es der fünfte 0:1-Rückstand in einem Bundesligaspiel nacheinander und zugleich der schnellste seit Oktober des Vorjahres. "Zieht den Bayern die Lederhosen aus", schallte es aus dem Wald vor dem Stadion, wo einige Anhänger die Union-Profis im fast leeren Stadion unterstützten und zwischendurch auch ein kleines Feuerwerk zündeten.

Die Gäste übernahmen zwar die Ballkontrolle, taten sich gegen die geschickt die Räume verengenden Unioner aber schwer. Und nach einem vom schnellen Offensivspieler Sheraldo Becker initiierten Konter hätte Liverpool-Leihgabe Awoniyi eigentlich das 2:0 erzielen müssen.

Das Favorit versuchte, mit langen Ballpassagen Lücken in der Union-Abwehr zu finden - lange ohne Erfolg. Einen Freistoß aus bester Position setzte Lewandowski in die Mauer (45.+1). Richtig eingreifen musste der starke Union-Torwart Andreas Luthe in der ersten Stunde nur einmal gegen Gnabry (43.).

Der Druck der Bayern wurde nach der Pause aber größer. Die Gastgeber blieben bei ihrer Linie, obwohl der in der Max-Kruse-Rolle aufgebotene Däne Marcus Ingvartsen zeitig verletzt vom Platz musste. Sie verteidigten geschickt und setzte weiter auch offensive Nadelstiche. Awoniyi kam nur knapp zu spät (56.). Und ein Schuss von Marius Bülter wurde in letzter Sekunde abgeblockt (62.). Nur so bleiben die Bayern überhaupt noch im Spiel. Nachdem Luthe noch super gegen Thomas Müller reagiert hatte (66.), schoss Lewandowski nach schöner Vorarbeit von Kingsley Coman zu seinem 13. Saisontor ein. Mehr Zählbares sprang für die Bayern nicht mehr raus.

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