Halberstadt/Magdeburg l Hat ein deutsch-chinesischer Sportvermarkter versucht, über mehrere Vereine unter anderem im Harz im großen Stil Spiele zu manipulieren? DFB-Vizechef Rainer Koch bestätigte am Sonntag gegenüber der Volksstimme, dass bei dieser Ermittlung der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) in der Verantwortung steht. „Es ist ein Fall der nordostdeutschen Regionalliga. Diese steht unter der Aufsicht und der Organisationshoheit des NOFV“, so Koch. Damit geraten die Ermittlungen des NOFV-Sportgerichts unter Zugzwang – der DFB erwartet offenbar zügig Ergebnisse.

Neben dem Fußballverband ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen den sportlichen Leiter von Germania Halberstadt, Andreas Petersen. Petersen wird vom SV Babelsberg vorgeworfen, den Versuch unternommen zu haben, ehemalige Spieler von Germania Halberstadt, die jetzt für die Potsdamer auflaufen, vor der Auswärtspartie Ende November bestochen zu haben. Am selben Tag hatte Germania einen Kooperationsvertrag mit dem Sportvermarkter geschlossen. Petersen dagegen sprach damals nur von einem Scherz. Von Babelsberger und Halberstädter Seite sind mittlerweile schriftliche Stellungnahmen eingegangen. Eine vom NOFV-Sportgericht für den 1. Februar angesetzte mündliche Verhandlung wurde allerdings vertagt. Ein neuer Termin ist noch offen.

Rückhaltlose Aufklärung

Laut DFB-Vize Koch sei der Spitzenverband bereits kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls informiert worden. „Es gibt klare interne Vorgaben, dass ein solcher Fall umgehend gemeldet wird“, betont Koch. „Wichtig ist auch, dass solche Fälle, wenn Verdachtsmomente vorliegen, rückhaltlos aufgeklärt werden.“

In der Region hat der Bericht über die Vorwürfe für Aufsehen gesorgt. Völlig überrascht zeigte sich Germania-Präsident Erik Hartmann. „Ich versichere, dass der VfB Germania Halberstadt mit dem vorgeworfenen Sachverhalt nichts zu tun hat.“ Es sei offenkundig, dass der Verein mit dem deutsch-chinesischen Sportvermarkter zwei Projekte vereinbart und vertraglich festgehalten habe: ein Nachwuchsturnier und ein Sponsoring.

Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) gab gegenüber der Volksstimme an, sogar persönlich mit dem Sportvermarkter verhandelt zu haben. „Sie hatten im vergangenen Jahr ein kleines Turnier in Wernigerode ausgerichtet. Das wollen wir in diesem Jahr auch in Halberstadt. Wenn das alles so ist, dann ist das sehr schlimm für den Fußball in unserer Region.“

Petersens Anwalt Horst Kletke will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.