Magdeburg. Mehr Kreisanspiele verhindern, mehr Ordnung ins Tempospiel bringen: Vor dem Rückspiel im EHF-Cup-Viertelfinale bei den Löwen haben die Handballer des SC Magdeburg einiges zu trainieren. Das nötige Selbstvertrauen haben sie indes gewonnen - auch Stefan Kneer.

Stefan Kneer könnte in seinem nächsten Leben, sagen wir, Volleyballer werden. Zumindest zählen die dortigen Hauptangreifer zu den besonders grazilen und eleganten Herren des Mannschaftssports. Jene Geschmeidigkeit in der Bewegung prägt auch das Spiel des Stefan Kneer. Und seit dem 9. März setzt der 1,94-Meter-Hüne bei aller Eleganz auch seine Kraft wieder verstärkt in Tore um.

Der 9. März war "für mich wie ein Schlüsselerlebnis", sagt Kneer. An jenem Tag spielte der SCM im EHF-Cup in der Getec-Arena gegen HBC Nantes. Kneers Leistung war beim 26:26 fast untergegangen, weil Rechtsaußen Robert Weber in der Schlusssekunde als siebter Feldspieler und Torhüter einen Ball mit dem Fuß pariert hatte. Das war eine doller Hit - aber die Begleitmusik bis dahin hatte Kneer mit sechs Toren mitgespielt. "Mit dem Spiel habe ich mir ein gutes Gefühl geholt", erinnert sich der 27-Jährige. Seitdem läuft es, was für den Nationalspieler nach der Weltmeisterschaft im Januar nicht laufen wollte. "Jeder hat gesehen, dass ich Schulterprobleme hatte und vom Kopf her müde war. Für mich war es das erste große Turnier, jetzt weiß ich, wie ich damit umgehen muss."

Als Gegenspieler ist er weniger umgänglich, was die Zahlen beweisen. Im ersten EHF-Cup-Viertelfinale gegen die Löwen (31:28) hat Kneer zuletzt sieben Tore markierte. "Wir sind zufrieden, dass wir einen Drei-Tore-Vorsprung herausgeholt haben. Wichtig war für uns auch, dass wir mit den Löwen ein Spitzenteam geschlagen haben. Das zeigt, wozu wir in der Lage sind", erklärt Kneer. Seinem Trainer Frank Carstens hat es gezeigt, nach vier Saisonspielen gegen die Löwen, die mit einer hohen Niederlage begonnen haben und mit dem Sieg vorerst endeten, "dass das Team eine gute Entwicklung genommen hat".

Deshalb war am Sonntag nicht alles gut, sagen Kneer und Carstens gleichermaßen. Kneer erklärt die Phase bis zur Schlusssirene vom 24:17 (44.) und dem Ausfall Moritz Schäpsmeiers (Mittelhandbruch) an: "Wir haben vorn noch zu leichte Fehler gemacht. Jure Natek war außerdem noch nicht 100-prozentig eingespielt. Wir hatten wie zuletzt eine gute Abwehrarbeit, uns aber dafür nicht mit gutem Tempospiel belohnt." So sah es auch Carstens: "Das Tempospiel ist noch nicht geordnet genug." Außerdem: "Wir haben noch zu viele Pässe auf Bjarte Myrhol zugelassen", analysiert der 41-jährige Coach. Myrhol, der starke Kreisspieler, markierte immerhin acht Gästetreffer.

In der "intensiven Woche", die Carstens vor dem Rückspiel bei den Löwen am Samstag in Mannheim (19 Uhr) angekündigt hatte, wird an diesen Dingen gearbeitet. Das soll sich dann auszahlen, wie es sich für Kneer zwischen der WM und dem 9. März gegen Nantes ausgezahlt hatte, "einfach weiterzutrainieren".

In Nantes (Frankreich) indes, sagt Kneer, "ist es schön". Nicht wegen des Schlosses oder des Kunstmuseums, sondern allein wegen der Tatsache: Am 19. Mai im Endspiel des Final Four "gibt es dort einen Titel zu gewinnen, und alle wollen dorthin".