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Handball-EM „Fass im Arm“: Wird EM-Neuling Schluroff zum X-Faktor?

Die deutschen Handballer dürfen bei der EM auch dank Spätstarter Schluroff auf das Halbfinale hoffen. Gibt es gegen Norwegen die nächste Miro-Show?

Von Eric Dobias und Jordan Raza, dpa 23.01.2026, 08:36
Schlüpfte gegen Portugal in die Hauptrolle: Top-Werfer Miro Schluroff.
Schlüpfte gegen Portugal in die Hauptrolle: Top-Werfer Miro Schluroff. Sina Schuldt/dpa

Herning - Die vielen Lobeshymnen waren dem Mann mit dem „Fass im Arm“ fast schon peinlich. Mit seinem Gala-Auftritt beim 32:30 gegen Portugal schlüpfte EM-Neuling Miro Schluroff im Team der deutschen Handballer erstmals in die Hauptrolle und gilt nun auch für das Duell mit Norwegen als Hoffnungsträger.

„Er war eine riesige Hilfe für uns“, lobte Bundestrainer Alfred Gislason den Rückraumspieler des VfL Gummersbach und ermunterte Schluroff vor der zweiten Hauptrundenpartie der DHB-Auswahl am Samstag (20.30 Uhr/ZDF/Dyn) in Herning: „Miro hat die Aufgabe, zu werfen. Bei seiner Wurfkraft kann kein Torhüter den Ball sehen.“

Auch Torwart Andreas Wolff, der mit 13 Paraden ebenfalls großen Anteil am Sieg-Start des DHB-Teams in die zweite Turnierphase hatte, war begeistert vom Auftritt des deutschen Top-Werfers (7 Tore). „Miro hat das gezeigt, wofür wir ihn brauchen: Er hat unseren fehleranfälligen Angriff belebt und die Würfe aus der zweiten Reihe verwandelt. Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Wenn er so trifft, hast du keine Chance“, sagte Wolff.

Würfe mit 134 km/h

Die Hammerwürfe von Schluroff werden mittlerweile von allen Torhütern gefürchtet. „Jeder weiß, was er für eine Wumme hat“, sagte DHB-Keeper David Späth. Der Beweis: Schluroff hat bei der EM-Endrunde mit 134,10 km/h bisher den härtesten Wurf aller Spieler abgegeben. 

Schluroff selbst gibt sich bescheiden. „Ich bin unfassbar glücklich und froh, dass ich diese Rolle bekomme und so viel mithelfen darf. Das hätte ich vor dem Turnier nicht erwartet“, sagte der 25-Jährige. Der EM-Debütant mit dem „Fass im Arm“, wie Co-Trainer Erik Wudtke die unglaubliche Wurfkraft des deutschen Kabinen-DJ umschreibt, trägt erst seit März 2025 das Trikot mit dem Adler auf der Brust. 

Innerhalb von zehn Monaten hat sich Schluroff zu einem festen Bestandteil der Mannschaft entwickelt - und wird mittlerweile vom Bundestrainer auch nicht mehr mit seinem Gummersbacher Teamkollegen Julian Köster verwechselt. Die beiden schwarzhaarigen Rückraumspieler sind fast gleich groß und ähneln sich auch im Aussehen. „Es gab am Anfang ein zwei, Szenen, in denen er mich falsch angesprochen hat“, berichtete Schluroff jüngst mit einem Schmunzeln. 

Schluroff: ein „großer Entertainer“ und Social-Media-Profi

Doch Schluroff ist nicht nur als Spieler wichtig. Der gebürtige Bregenzer (Österreich), dessen Vater Lars Unger einst Fußballprofi war und in der Bundesliga für Werder Bremen auflief, ist für die Stimmung im Team unheimlich wertvoll. „Er ist ein großer Entertainer und sorgt für eine tolle Atmosphäre“, erzählte Wudtke vor dem Turnier und sprach von einem Menschen, der auch über sich selbst lachen könne.

Schluroff hat das Potenzial, ein absoluter Liebling der Fans zu werden. Im Gegensatz zu vielen seiner DHB-Kollegen, die sich eher zurückhaltend im Netz präsentieren, beherrscht er das Spiel mit den sozialen Medien. Schluroff gibt sich Fan-nah, führt unter anderem als Moderator durch die Videos auf dem Gummersbacher YouTube-Kanal. 

„Es gehört zum Job dazu. Viele wollen, dass der Handball größer und cooler wird. Weg vom Altherren-Sport. Um diesen Switch zu machen, ist Social Media extrem wichtig. Den Lifestyle dahinter auch zeigen. Ich verstehe jeden, der sagt, das ist nicht sein Thema. Diejenigen dürfen sich aber auch nicht beschweren, wenn es nicht vorangeht mit dem Handball“, befand Schluroff.

Fokus auf Norwegen

In den nächsten Tagen geht es aber auch für ihn vorrangig um die sportliche Performance - schließlich darf die DHB-Auswahl mit nunmehr 4:0 Punkten weiter von der ersten EM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor zehn Jahren träumen. „Jetzt haben wir eine komfortablere Ausgangslage, aber man weiß noch gar nichts“, sagte Schluroff über das enge Rennen um die Tickets für das Halbfinale.

Die Zuversicht im deutschen Team ist groß. Der trotz einer äußerst fehlerhaften Leistung erzwungene Sieg gegen Portugal habe gezeigt, „wie viel wir erreichen können, wenn wir am perfekten Spiel nahe dran sind“, sagte Schluroff. Ähnlich äußerte sich Kapitän Johannes Golla: „Wir wissen jetzt, dass wir auch ein Krampf-Spiel gewinnen können, in dem wir das Momentum nie so richtig auf unserer Seite hatten.“

Damit es gegen Norwegen (2:2 Punkte) nicht wieder zu einem Nervenkrimi kommt, „müssen wir besser starten, weil das auch eine Top-Mannschaft ist. Wir dürfen uns keine Schwächephase erlauben“, appellierte Wolff. Und Bundestrainer Gislason warnte: „Jetzt kommt eine starke norwegische Mannschaft mit Superstar Sander Sagosen auf uns zu, die eine ganz andere Spielweise hat. Das wird genauso schwierig.“