Der Heimnimbus der Füchse Berlin hat Bestand. Was bisher selbst den Top-Teams misslang, war auch der SC Magdeburg nicht vergönnt. Und das, obwohl man sechs Sekunden vor Schluss zumindest noch einen Punkt in der Hand hatte. In einer sehr emotionsgeladenen Partie (17 Siebenmeter) verloren die Gäste das Duell gegen den Ost-Rivalen vor 9300 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle mit 26:27 (15:10).

Berlin. "Wir sind die Jäger" lautet eigentlich das Motto der Hauptstädter. Doch auch das Alphatier der Füchse, Bob Hanning, weiß nur zu gut, dass sich das Blatt durch den Durchmarsch seiner Jungs gewendet hat und man inzwischen der Gejagte ist: "Die Duelle mit dem SCM waren schon immer etwas Besonderes. Und natürlich möchte jedes Team das erste sein, das uns zu Hause schlägt", hatte der Manager der Gastgeber dann auch vor der Partie gesagt.

Dabei bekamen die Berliner, die mit fünf angeschlagenen Spielern (darunter auch Ex-SCM-Keeper Heinevetter/Grippe) in die Partie gegangen waren, schon früh Gegenwind, denn der SCM kam unerwartet gut aus den Startlöchern. Schnell wie die Feuerwehr legte die Carstens-Sieben los. Natek traf, van Olphen legte nach - 2:0 (3. Minute). Die Hausherren begannen nervös, kamen nur langsam in Schwung. Vor allem im Rückraum sowie bei Torhüter Stochl knirschte Sand im Getriebe. So war es der SCM, der auch weiterhin das Spiel machte. Nach zehn Minuten führte man überraschend klar mit 6:2. Die Auszeit der Füchse eine logische Folge.

Sigurdsson wechselte nach und nach die halbe Mannschaft aus, Heinevetter kam - doch die Wende blieb aus. Nach 20 Minuten führten die im Angriff klug, schnell und überlegt agierenden Magdeburger erstmals mit sechs Toren (10:4). Hinten leistete die Deckung und Keeper Eijlers hervorragende Arbeit. Selbst in Unterzahl (Weber musste raus) lief der Ball wie von selbst von Mann zu Mann, bis Grafenhorst schließlich zum 14:8 (27) abschloss.

Nach einer nahezu fehlerlosen ersten Halbzeit kam der Wiederanpfiff, und plötzlich war der Wurm drin. Dem SCM gelang sechseinhalb Minuten kein Tor, dem Gegner dafür schon. So pirschten sich die Füchse über ein 13:15 (36) bis zum 17:18 (42.) heran. Vor allem Bult zerrte wie wild an den Ketten (7 Tore in Hälfte zwei). Mit viel Kampf hielt Magdeburg den Kopf oben.

Doch in der 49. Minute kippte das Spiel, Berlin ging beim 23:22 (53.) erstmals in Führung. Noch viermal glich der SCM aus, so auch 26 Sekunden vor Schluss. Der letzte Angriff musste die Entscheidung bringen. Jaszka nahm sich sechs Sekunden vor Ultimo ein Herz, zielte ab und traf unter dem frenetischen Applaus der Zuschauer ins Netz.

"Puh, das war knapp. Mein Respekt, Magdeburg war überraschend stark, die haben uns heute wirklich alles abgefordert und wie haben mit Glück gewonnen", jubelte ein sichtlich geschaffter Heinevetter und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Berlin: Heinevetter, Stochl - Böhm, Bult 7/3, Christophersen 3, Jaszka 5, Kubisztal 3, Petersson, Spoljaric, Nincevic 4/4, Sellin 1, Wilczynski 3/1, Laen, Löffler 1.

SCM: Eijlers, Quenstedt - van Olphen 3, Tönnesen 5/4, Jurecki 2, Landsberg, Grafenhorst 3, Natek 5, Weber 5/2, Wiegert 1, Doborac , Hornke, Rojewski 2, Kupfer.

Schiedsrichter: Immel/Klein (Erkelenz/Ratingen). Zuschauer: 9300. Siebenmeter: Füchse 10/7, SCM 7/6. Zeitstrafen: Füchse 5 (Rot: Leaen/44.); SCM 2.