Mannheim l Ob Torwartwechsel, ob siebter Feldspieler, ob lautstarke Anweisungen in den Auszeiten – die Magdeburger konnten den Hebel einfach nicht umlegen und wurden so brutal wie lange nicht geschlagen. Die permanenten Verletzungen und Ausfälle schütteln die SCM-Handballer einfach nicht ab und ließen nach der herben Klatsche bei den Rhein-Neckar Löwen die Köpfe so tief hängen, wie noch nie in dieser Saison.

Und dabei waren die SCM-Fans mit leisen Hoffnungen angereist. Ob im Zug nach Mannheim oder in der Straßenbahn von der Innenstadt zur SAP-Arena – überall waren grün-rote Schals zu entdecken. Und fast zeitgleich mit der Hallenöffnung kam auch der Fan-Bus nach gut siebenstündiger Fahrt an. Die Anhänger des SCM lassen ihr Team nicht im Stich und stehen in kritischen Phasen ganz besonders hinter der Mannschaft. Auch die Spieler selbst wollten nach zwei Niederlagen in Folge endlich wieder locker werden. Daniel Pettersson, Michael Damgaard, Albin Lagergren und noch einige andere zeigten vor dem Warmmachen, dass sie auch mit dem Fuß und Kopf den Ball technisch gekonnt hochhalten können.

Bevor aber der Ball in der Hand oder im Tor gefragt war, gab es noch großen Applaus vor dem Anwurf. Da erhielt der frühere Weltklasse-Schwimmer und Sportfunktionär Prof. Dr. Klaus Steinbach den Joachim-Deckarm-Preis für seinen persönlichen Einsatz für den 1979 verunglückten Handball-Weltmeister. Deckarm selbst und Ex-Bundestrainer Heiner Brand übernahmen die Ehrung.

Aus SCM-Sicht gab es danach leider wenig Grund zum Klatschen. Weil die Gastgeber durch überraschend viele technische Fehler in der Anfangsphase viele Bälle verschenkten, hieß es nach acht Minuten zwar erst 3:2 für die Löwen. Doch dann patzte ausgerechnet der von den Löwen heiß umworbene Lagergren zwei Mal aussichtsreich. Erst setzte er einen freien Wurf an die Latte, im nächsten Angriff scheiterte er beim Gegenstoß an Löwen-Torwart Andreas Palicka. Dessen Torwart-Kollege Mikael Appelgren verlängerte vor dem Spiel übrigens seinen Vertrag bis 2023.

Weil am gegnerischen Kreis viel zu harmlos agiert und die Löwen kaum zu richtigen Fouls, geschweige denn Strafzeiten gezwungen wurden, ging beim SCM von Angriff zu Angriff immer weniger. Selbst Matthias Musche verfehlte das Tor aus einer Situation, wo er zu Beginn der Saison sogar mit verbundenen Augen getroffen hätte. Und Damgaard wollte es vor den Augen seines Nationaltrainers Nikolaj Jacobsen besonders gut machen und setzte sich dadurch leider wieder mal zu sehr selbst unter Druck. Und die Ansagen von Wiegert verunsicherten den Dänen noch mehr.

Kein eigener Treffer

So blieben die Magdeburger rund zehn Minuten ohne eigenen Treffer! Musches Tor zum 8:3 (18.) war aber nur zwischenzeitliche Ergebniskosmetik. Denn die Löwen rollten weiterhin kompromisslos über den SCM hinweg. Eine Minute vor der Pause waren die Gastgeber erstmals auf zehn Tore enteilt (17:7).

Und damit nicht genug. Marko Bezjak musste in die Kabine humpeln. Der Slowene hatte sich am rechten Fuß verletzt und musste den sogar vom Löwen-Arzt begutachten lassen. Die genaue Diagnose steht noch aus. Aber dass Bezjak nach dem Seitenwechsel nicht auf die Platte zurückkehrte, ist kein gutes Zeichen.

Dort waren seine Teamkollegen nur noch darum bemüht, nicht komplett „abgeschlachtet“ zu werden. Klappte auch. Zwölf Minuten nach der Pause hatte der SCM auf 22:15 verkürzt. Und zwar durch Damgaard mit einem Wurf aus dem Rückraum. Dafür hielt ihm Wiegert sogar zum Abklatschen die Hand hin. Gut so! Denn die Niederlage muss schon auf der Rückfahrt abgehakt werden, damit die Fans am 19. Dezember im Pokal-Viertelfinale gegen Göppingen wieder einen anderen SCM sehen! Am Ende muss sich der SC Magdeburg den Löwen mit 28:22 geschlagen geben.

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