Magdeburg l Wenn Henning Fritz früher im Handball-Tor selbst die sogenannten „Unhaltbaren“ hielt, gehörte das irgendwann zur Normalität. Der gebürtige Magdeburger war auf einem so hohen Level, wo es Mitspielern, Verantwortlichen und Fans eigentlich nur noch auffiel, wenn er mal nicht so einen guten Tag hatte. Dass Leistungssportler aber keine Maschinen sind und auch im normalen Alltag zum Powern auch Pausen gehören, war für Fritz Anlass genug, um im neuen Buch „Powern und Pausieren“ seine eigenen Erfahrungen bei dieser Problematik mit einfließen zu lassen.

Lockerheit war nicht mehr da

Der inzwischen 45-Jährige hatte vor der Heim-WM 2007 mit einem Burn-out zu kämpfen. „Anfang der 2000er Jahre war ich auch viel mit der Nationalmannschaft unterwegs, habe 2004 die EM und Olympia gespielt und wurde als erster Torwart Welthandballer. Doch plötzlich war ich extrem kurzatmig. Auch mein Gefühl für Timing und die Beweglichkeit gingen verloren. Meine Leidenschaft, vorher eine meiner Stärken, ließ sich nicht mehr abrufen“, verrät Fritz. Die vielen Spiele und Reisen mit wenig oder schlechtem Schlaf nagten an der Seele. Fritz: „Ich habe nicht mehr die Top-Leistungen gebracht und damit auch den Anspruch an mich selbst nicht halten können. Weil auch medizinische Dinge nicht mehr helfen konnten, habe ich dann auf ein individuelles Konzept gesetzt und hatte glücklicherweise Erfolg damit.“

Zusammen mit dem Mediziner Dr. med. Gunter Frank und dem früheren Weltklassefechter Daniel Striegel ist es Fritz deshalb ein Bedürfnis, den Leuten eine Art Handbuch zu geben. Fritz: „Viele Menschen powern wie die Profis oft bis an ihre Leistungsgrenze, pausieren jedoch wie Amateure. Darunter leidet auch die Gesundheit. Und gerade in der heutigen Zeit wird man durch Beruf, Familie und Hobby schon ziemlich beansprucht.“

Gesundheit leidet unter Druck

Der frühere Weltklassetorwart weiß, dass es dann auch ganz schnell ein schleichender Prozess bis hin zu gesundheitlichen Problemen ist. Fritz: „Irgendwann ist man hilflos. Auch ich habe viele Alternativen ausprobiert und bin dann auf Neuronavi gekommen.“ Das dient dazu, das vegetative Nervensystem durch frequenzmodulierte Lieder und Programme in die richtige Balance zu bringen. Fritz: „Darüber sollte man gezielt Pausen einbauen. Ganz individuell. Das kann mit Schlafen, aber auch mit einem Spaziergang sein.“

Psychologe kann Spielern helfen

Obwohl Fritz aktuell nur indirekt als Sky-Experte mit dem Handball verbunden ist, weiß er natürlich immer noch genau, wie es in den Köpfen der Spieler aussieht, und würde es begrüßen, wenn die Vereine intensiver auf psychologische Betreuung setzen. Fritz: „Sich mit einem Experten auszutauschen, ist keine Schwäche. Erfahrungswerte für bestimmte Situationen können einem natürlich auch der Trainer oder älter Mitspieler verraten. Aber ich glaube kaum, dass sich jeder Spieler seinem Trainer komplett offenbaren wird. Das ist gegenüber einer neutralen Person eher möglich. Und im Handball wird alles immer enger. Da spielt auch der Kopf immer mehr mit.“

SCM holt das Optimum raus

Als Magdeburger verfolgt er auch den SCM weiterhin sehr aufmerksam. Fritz: „Es zweimal hintereinander auf Rang drei geschafft zu haben, dafür kann man nur Komplimente machen. Zumal der SCM dabei wirtschaftlich besser gestellte Clubs hinter sich gelassen hat.“ Aufgrund der Finanzen hält Fritz es aber auch für unwahrscheinlich, dass bald mal wieder eine Meisterfeier in Magdeburg steigt. Fritz: „In einem Spiel kann der SCM wirklich jeden schlagen, so wie beim Pokalsieg 2016. Aber über eine ganze Saison hinweg brauchst du die absoluten Topspieler, die den Unterschied machen, und eine gute ausgeglichene Mannschaft. Und das kostet Geld. Deshalb hängt Erfolg schon vom Budget ab.“