Magdeburg l Um den SC Magdeburg ist es in den letzten zwei Wochen ruhig geworden. Die Spieler halten sich selbstständig fit, sollen sich aber aufgrund der Kurzarbeiterregelung mit Kommentaren komplett zurückhalten. So hat Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt die Öffentlichkeitsarbeit der Grün-Roten alleine übernommen. Und weil sich andere Vereine bei Meldungen von Gehaltskürzungen überbieten und einige Clubs den sofortigen Saisonabbruch fordern, platzte dem eigentlich eher zurückhaltenden Schmedt jetzt mal ordentlich der Kragen und er redet Tacheles.

Juristisch ein Risiko

„Es wird derzeit völlig nachvollziehbar und richtigerweise kein Handball gespielt. Wir müssen aber nicht nur Verantwortung für die Zeit in der Corona-Krise übernehmen, sondern auch für die Zeit danach. Jede Entscheidung, die jetzt getroffen wird, kann in einem halben Jahr juristisch angefochten werden. Von der Abstiegsregelung über die Qualifikationen zu den europäischen Wettbewerben bis zur Entscheidung um die deutsche Meisterschaft. Mein E-Mail-Fach ist voll von Angeboten aus Anwaltskanzleien“, berichtet Schmedt und spricht sich somit klar dafür aus, erst einmal den weiteren Verlauf der Pandemie abzuwarten. Schmedt: „Keiner kann seriös beurteilen, wie es kurz- und mittelfristig weitergeht.“

Notfalls Geisterspiele

Zunächst ist die Bundesliga bis zum 22. April ausgesetzt. Durch die Verschiebung der Olympischen Spiele hat die HBL aber Zeit gewonnen und könnte die Saison auch in den Juni hinein verlängern. Einiges deutete auch darauf hin, dass die Handball-Verantwortlichen auf den Fußball schauen. Wenn dort die Saison mit Geisterspielen zu Ende geführt wird, wäre das auch im Handball möglich. Schmedt: „Handball ohne Zuschauer geht eigentlich gar nicht. Aber auch hier muss man nüchtern analysieren und vielleicht auch zwischen der Beendigung der aktuellen Saison und der neuen Spielzeit unterscheiden. Mittel- und langfristig ist Handball ohne Publikum für mich natürlich weder emotional noch wirtschaftlich denkbar.“ Denn während im Handball die TV-Gelder nur rund fünf Prozent des Etats ausmachen, kommt ein Viertel der Einnahmen aus dem Ticketing.

Feste Termine im EHF-Cup

Dass es auch Stimmen gibt, die den sofortigen Saisonabbruch fordern, ärgert Schmedt gewaltig. „Für mich sind in der aktuellen Situation die Konsequenzen aus Abbruch oder Aussetzen der Liga momentan nahezu die gleichen. Außerdem weiß ja auch keiner, wie der Europäische Verband bezüglich der internationalen Wettbewerbe entscheidet“, betont Schmedt. Die EHF hat die Final Fours in der Champions League und im EHF-Cup in den August verlegt. Und für die restlichen Gruppenspiele und K.o.-Runden gibt es schon feste Termine im Juni, die notfalls als Geisterspiele über die Bühne gehen. Wenn das so kommt, würde keiner verstehen, warum die Bundesliga zuvor abgebrochen wurde.

Gehaltsverzicht keine Heldentat

Während der SCM bisher nur mitgeteilt hat, dass für Spieler und Angestellte Kurzarbeit beantragt wurde, überboten sich andere Vereine zuletzt mit Meldungen über den Gehaltsverzicht. So hat Flensburg beispielsweise mitgeteilt, dass die Profis einer 40-prozentigen Gehaltskürzung zugestimmt haben. Da kommen aber trotzdem noch Gehälter im ordentlichen vierstelligen Bereich zusammen.

Schmedt: „Ich bin sehr überrascht, wie mit diesem Thema kommunikativ zum Teil umgegangen wird. Wir haben das schon vor zwei Wochen beschlossen. Für unsere Spieler, meine Kollegen Bennet Wiegert (Geschäftsführer Sport und Cheftrainer/ d. Red.), Steffen Stiebler (Geschäftsstellenleiter/d. Red.)und mich ist eine Reduzierung unserer Gehälter eine Selbstverständlichkeit, um zum Überleben des SCM beizutragen. Dies bedarf keiner heroischen Pressemitteilung. Denn Heldengeschichten werden aktuell nicht in Geschäftsführerbüros mit Spielerberatern geschrieben, sondern in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und an Supermarktkassen.“