Magdeburg l Qualität nein, Potenzial ja: So lässt sich die Einschätzung von Velimir Petkovic zu seiner Mannschaft zusammenfassen, die er zuletzt der „Thüringer Allgemeinen“ im Interview mitteilte. Für die Bundesliga, erklärte der Trainer des ThSV Eisenach wiederum an anderer Stelle, „reichen Kampf und Leidenschaft nicht aus, um zu punkten“. Und außerdem meinte er: „Eine Super-Stimmung ist in unserer Situation natürlich nicht zu erwarten.“

Die Situation der Thüringer vor dem Ostderby am heutigen Sonnabend beim SCM (15 Uhr, Getec-Arena) ist wirklich keine einfache: Eisenach reist als Tabellenvorletzter mit lediglich fünf Pluspunkten an, die Auswärtsbilanz ist mehr oder weniger erschreckend: In sieben Spielen in der Fremde gelang kein Punktgewinn, im Schnitt verlor das Team mit mehr als neun Toren. Zudem hat sich der beste Werfer Azal Valiullin (71 Treffer) den Ringfinger der rechten Wurfhand gebrochen, weshalb er auch heute nicht auf der Platte stehen wird. Ergo: Der SCM, Tabellen- neunter (16:14 Punkte), ist haushoher Favorit. Und trotzdem hebt Sportchef Steffen Stiebler mahnend den Zeigefinger: „Wir müssen mit der richtigen Einstellung eine ganz konzentrierte Leistung abliefern und den Aufschwung der vergangenen Partien mitnehmen.“

Dazu zählt Trainer Geir Sveinsson tagtäglich seine Akteure zusammen. Vor dem Anwurf wird er zu folgendem Ist-Zustand kommen: Neben den Langzeitverletzten Matthias Musche, Andreas Rojewski (beide Knie) sowie Jure Natek (Schulter) wird Zeljko Musa (Muskelfaserriss im rechten Oberarm) nicht zur Verfügung stehen. Nicht nur, dass der 29-jährige Kroate nicht werfen kann, gerade in dem seit dieser Saison neuen und mannbezogenen Abwehrsystem ist eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit keine Option für einen Einsatz. „Er wird ausfallen“, war sich der Coach bereits am Donnerstag sicher. Für ihn rückt Youngster Maciej Gebala nach überstandener Erkältung ins Team. Regisseur Marko Bezjak (Schienbeinprellung) hat wieder trainiert, jetzt muss Sveinsson noch die schnelle Genesung von Michael Damgaard abwarten. „Ich denke, dass er eine kleine Gehirnerschütterung hatte nach dem Schlag gegen den Kopf am Dienstag im Training. Deshalb müssen wir abwarten“, erklärte Stiebler.

Sicher ist, dass wieder mehr als 6000 Menschen das Heimspiel sehen wollen, so viele Tickets gingen im Vorverkauf an Frau, Mann oder Kind. Und viele von ihnen werden sich sicher noch an den 18. Mai 2014 erinnern, als der SCM in einem Bundesliga-„Trainingsspiel“ Eise- nach mit 35:20 (21:4) aus der Arena fegte. Die Statistik spricht überhaupt für die Magdeburger: In insgesamt 16 Liga-Duellen haben sie elfmal gewonnen, viermal verloren und einmal Remis gespielt. Aber auch solche Zahlen „bringen die Gefahr, dass wir den Gegner unterschätzen“, sagte Stiebler. „Eisenachs Stärke liegt in der Geschlossenheit, deshalb müssen wir sie in allen Bereichen bearbeiten.“

Letztlich hat auch Eisenach bislang zwei Spiele gewonnen (33:31 gegen Balingen, 31:30 gegen Lübbecke), kennt auch Eisenach taktische Systeme, mit denen Kontrahenten bekämpft werden können. Bei Eisenach heißen diese in der Abwehr 6-0, 5-1, 3-3, wie Sveinsson aufzählte und dann erklärte: „Eisenach hatte in den letzten Spielen in Lemgo (30:35) und gegen Gummersbach (28:32) viele gute Szenen, eine sehr kämpferische Mannschaft. Und wir haben ein Derby, das wir sehr ernst nehmen müssen. Wer da nicht die richtige Einstellung mitbringt, kann schnell verlieren.“