HBL

Wahnsinn: Plötzlich hat THW Kiel wieder die besseren Karten

Flensburg verliert gegen die Füchse Berlin und muss Platz eins in der Bundesliga-Tabelle abgeben. Die Hoffnung auf den Titel schwindet. Nordrivale Kiel geht mit einem Punkt Vorsprung ins Saisonfinale.

Von Stefan Flomm, dpa
Der Kieler Sven Ehrig (r) feiert einen Treffer gegen Frisch Auf Göppingen.
Der Kieler Sven Ehrig (r) feiert einen Treffer gegen Frisch Auf Göppingen. Axel Heimken/dpa

Kiel/Flensburg - Der Handball-Wahnsinn geht weiter: Durch die unverhoffte 29:33-Heimpleite gegen die Füchse Berlin hat die SG Flensburg-Handewitt ihre Pole-Position im Bundesliga-Titelrennen eingebüßt.

Etwas näher am Ziel ist jetzt wieder Titelverteidiger THW Kiel, der 31:23 gegen Frisch Auf Göppingen gewann und als Spitzenreiter mit einem Punkt Vorsprung in die drei letzten Spiele einer unglaublich spannenden Saison geht.

Kiels kroatischer Kapitän Domagoj Duvnjak glaubte allerdings nicht, dass schon eine Vorentscheidung im Titelkampf gefallen ist: „Ich weiß, ich bin langweilig. Aber für uns hat sich nichts geändert“, sagte der 33-Jährige im Online-Auftritt der „Kieler Nachrichten“: „Wir wollen alle unsere Spiele bis Saisonende gewinnen und nur auf uns schauen. Das ist der einzige Weg, damit wir am Ende ganz oben stehen.“ Duvnjak weiß, wovon er spricht, war der THW doch nach der 33:34-Niederlage beim SC Magdeburg schon fast abgeschrieben worden.

Wechsel an der Tabellenspitze

Anders sieht es SG-Spielmacher Jim Gottfridsson: „Das ist, als ob du die Meisterschale wegschmeißt“, kommentierte der Schwede bei Sky seinen Fehlpass vor dem 28:31, der den schweren Rückschlag gegen die Berliner endgültig einläutete: „Das tut unfassbar weh. Ich nehme das auf meine Kappe. Trotzdem muss ich morgen irgendwie wieder aufstehen.“ Es war die erste Pleite nach zuvor 55 Liga-Heimspielen. Letztmals hatte die SG zuvor am 10. Dezember 2017 in der heimischen Arena verloren - gegen den THW Kiel.

„Es ist bitter, dass es jetzt passiert, so kurz vor der Ziellinie“, klagte SG-Coach Maik Machulla. Der 44-Jährige versuchte sich aber in Zweckoptimismus: „Wir werden die letzten drei Spiele professionell angehen und dann gucken wir, was am Ende dabei herauskommt.“ Mimik und Körpersprache zeigten aber, dass auch beim Trainer der Glaube an den dritten Titel innerhalb von vier Jahren arg geschwunden ist.

Froh waren alle Beteiligten über die Zuschauer in den Arenen. 1561 waren es in Kiel, sogar 2300 in Flensburg. „Das hat sich fantastisch angefühlt“, sagte Machulla. „Das hat unseren müden Beinen ein bisschen mehr Leichtigkeit gegeben“, befand Kiels Duvnjak.

Als Restprogramm warten auf die Flensburger die Spiele am Sonntag bei Absteiger HSG Nordhorn-Lingen, am 23. Juni beim HC Erlangen und am 27. Juni daheim gegen den abstiegsbedrohten HBW Balingen-Weilstetten. Die letzte Hoffnung der SG ruht vor allem auf den Rhein-Neckar Löwen, die am letzten Spieltag den THW Kiel empfangen. In den Partien am Sonntag beim Abstiegskandidaten Eulen Ludwigshafen und am 24. Juni gegen den TBV Lemgo Lippe wird der Rekordmeister kaum etwas anbrennen lassen. Zumal der THW gegen die Lipper auf eine Revanche für die 28:29-Pleite im Halbfinale des DHB-Pokals brennen wird.

Auf dem Papier scheint der Weg der Kieler zur 22. Meisterschaft in der Vereinshistorie geebnet zu sein. Doch in dieser Spielzeit ist schon so vieles passiert - und vielleicht fallen die „Zebras“ ausgerechnet am letzten Spieltag doch noch den „Löwen“ zum Opfer.