Handball

Kampf, Ehrgeiz und jede Menge Freundschaft

Carolin Gress von den Sachsen-Anhalt-Liga-Handballerinnen der SG Lok Schönebeck stellt ihre Top 7 vor.

Von Von Karolin Pilz und Kevin Sager

Schönebeck l Die Elternzeit hatte sich Carolin Gress etwas anders vorgestellt. „Ich wollte jedes Wochenende nach Schönebeck fahren und Handball spielen. Aber leider hatten wir das Vergnügen nur für ein paar Wochen“, so die Handballerin. Das Geschehen rund um das Corona-Virus machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Der Saisonabbruch kam für Gress nicht überraschend: „Ich habe das geahnt. Wir sind alle ziemlich traurig.“ Abwechslung gibt es bei „Zoom-Meetings“, in denen die Mannschaft gemeinsam Yoga macht.

Denn auch wenn Gress in Rodenberg in der Nähe von Hannover wohnt und somit nicht regelmäßig beim Training dabei ist, zählt sie weiterhin fest zum Kader des Schönebecker Sachsen-Anhalt-Liga-Teams. Bei den Spielen ist sie dabei, wenn es die Zeit zulässt. „Ich bin meiner Mannschaft unheimlich dankbar, dass es nie infrage gestellt wird. Es wurde auch nie an mir gezweifelt und es gab keine bösen Worte“, ist Gress über den Zusammenhalt froh. Denn die Akteurin ist ein waschechtes Urgestein in Schönebeck. Außer einer Zwischenstation in Gifhorn 2011/2012 (Oberliga) hielt sie der SG Lok die Treue. Dabei spielte Gress mit zahlreichen Akteurinnen zusammen, die sich nachhaltig in ihrem Gedächtnis eingebrannt haben. Diese Spielerinnen haben einen Platz in der Top 7 gefunden:

Yvonne Thiel: „Sie stand im Tor, als ich mit 16 im Jahr 2004 im Frauenbereich begonnen habe. Mittlerweile ist sie im sportlichen Ruhestand. Obwohl sie so eine zierliche Person ist, war sie stets ein großer Rückhalt für die Mannschaft. Zum Traditionsspiel Anfang der Saison stand sie nach vielen Jahren Handball-Abstinenz wieder zwischen den Pfosten und hat einfach abgeliefert. Das war schon beeindruckend.“

Katharina Depta: „Sie ist unsere aktuelle Linksaußen-Spielerin in Schönebeck. Ich mag sie menschlich. Wir haben insgesamt eine sehr harmonische Mannschaft und passen super zusammen. ‚Katha‘ ist ein kleines Kämpfertier, sie beißt sich immer durch, auch wenn sie Schmerzen hat. Sie gibt stets alles, ist frech und wendig, das kann man auf den Außenpositionen immer gut gebrauchen.“

Kerstin Hoffmann: „Kerstin ist die Mama von Lilli Hoffmann. Sie hat ihre guten Gene also weitergegeben. Sie war eine derjenigen, die seit Jahren im Frauenbereich gespielt haben. ‚Uhle‘ war immer so eine, die man bewundert hat. Ehrgeizig und für zahlreiche Tore zu haben. Ich durfte selbst noch ein oder zwei Jahre mit ihr zusammenspielen. Im Training wollte niemand gern gegen sie spielen, und das Los fiel so oft auf mich. Das war immer eine große Herausforderung. Mittlerweile hat sie aber ihre Karriere beendet.“

Melanie Krause: „Uns verbindet eine familiäre Freundschaft und daher haben wir auch privat viel miteinander unternommen. Sie ist für einen Mittelmann nicht groß, das braucht sie aber auch nicht sein, weil sie eine geniale Eins-gegen-eins-Spielerin ist. Auch wenn es mal weh tat, sie hat sich immer in die Bresche geworfen und keinen Zweikampf gescheut.“

Vivien Goldgraebe: „Ich stelle mich nicht selber auf, also nehme ich Vivien. Sie ist keine grundsätzlich halbrechte Spielerin, aber während meiner Schwangerschaft und Verletzungszeit hat sie gelernt, diese Position sehr gut auszufüllen. Eigentlich spielt sie auf der Mitte. Ich bewundere sie für ihre Erfahrung, was das Kreisläuferspiel angeht. Sie hat ein unglaubliches Auge für ihre Mitspielerinnen und früh gelernt, sich auch selber viel zuzutrauen. Mittlerweile strahlt sie eine enorme Torgefahr aus und das tut unserer Mannschaft unheimlich gut.“

 

Steffi Sauer: „Steffi ist auch Teil unserer aktuellen Mannschaft. Ihr Ehrgeiz auf der Platte ist enorm und das zieht das Team immer wieder mit. Manchmal liefert sie sich deswegen aber auch hitzige Diskussionen mit dem Coach. Abseits des Spielfeldes setzt sie sich für die Mannschaft ein und trainiert unseren Nachwuchs (A-Jugend).“

Nicole Krause: „Wir haben gemeinsam mit dem Handball angefangen und kennen uns entsprechend lange. Auf und neben dem Spielfeld haben wir viel Zeit miteinander verbracht und sie gehört zu jenen Spielerinnen, mit denen ich mich blind verstehe. Wenn wir gemeinsam spielen, weiß ich immer, wo sie steht, da muss ich nicht mehr hinsehen. Leider kann sie aufgrund von Schulter- und Knieproblemen nicht mehr so viel spielen. Zum Glück bleibt sie dem Kader aber noch ein Stück weit erhalten, weil sie oft die Rolle des Co-Trainers einnimmt und nach wie vor für den einen oder anderen Siebenmeter zu haben ist. Was die Verletzungen angeht, war sie einfach ein Unglücksrabe.“

Ich kann keinen anderen nennen als meinen Papa: Dirk Schedlo: Er hat mich neben Kerstin Krause (Jugendtrainerin) schon seit der Jugend begleitet. Er war immer auf der Trainerbank dabei, was manchmal vielleicht auch nicht ganz einfach war. In einem Vater-Tochter-Gespann gibt es manchmal einfach Reibereien. Vor allem dann, wenn beide sehr ehrgeizig sind. Er hat mir auch nicht immer Honig um den Mund geschmiert, aber Handball und Familie können wir zwei gut trennen. Er hat mich gefordert und gefördert und somit einen großen Anteil an meinen privaten und sportlichen Erfolgen. Wenn seine Enkeltochter auf die Welt kommt, so sagte er mal, will er aufhören und mit ihr auf der Tribüne sitzen, aber ich hoffe, dass er unserer Mannschaft noch eine ganze Weile erhalten bleibt.“