Magdeburg/Niegripp l  Niegripp strauchelte in einem an Spannung kaum zu überbietenden Duell mit 2:3 (0:1) beim TuS Magdeburg-Neustadt, hat aber noch zwei „Matchbälle“.

Wie viel Wahnwitz lässt sich eigentlich in sechs Minuten pressen? Nachdem der TuS Magdeburg-Neustadt und die SG Blau-Weiß Niegripp am Pfingstmontag die Grenzen ausgelotet hatten, pustete Gästetrainer René Sandmann nur die Backen auf. Mit Blick auf die nervenzerfetzende Schlussphase des Duells in der Fußball-Landesklasse, Staffel II, hatte er dann aber die Worte schnell wiedergefunden: „So etwas gibt es nur im Fußball.“

Es war ein wahrlich denkwürdiges Duell, das im Norden der Landeshauptstadt den 20. Spieltag per Nachholspiel komplettierte. Der Tag, an dem die Blau-Weißen bereits theoretisch alles hätten klar machen können im Titelrennen. Und an dem sie sich im Rahmen der 2:3 (0:1)-Niederlage in kürzester Zeit zwischen Rausch und dem daraus resultierenden Kater wähnten.

Streitbarer Elfmeter

So ließ André Wittpahl die Niegripper nach 83 Minuten ganz laut an die Tür zur Landesliga klopfen. Der Flügelflitzer hatte einen zugegebenermaßen streitbaren Elfmeter nach einem vermeintlichen Foul an Till Räcke im TuS-Strafraum zum 1:1-Ausgleich verwandelt. Angesichts von sechs Punkten Vorsprung und des 25 Treffer besseren Torverhältnisses auf den Verfolger Arminia Magdeburg hätte dieser Spielstand bereits zur Vorentscheidung gereicht. Doch drei Minuten später katapultierte Danny Lindenblatt die Sportgemeinschaft in völlige Ekstase. Nach starker Balleroberung und Flanke von Oliver Blum vollstreckte Niegripps Sturmspitze zur 2:1-Führung.

Noch zwei weitere Matchbälle

Was dann folgte, war allerdings die kalte Dusche an einem überhitzten Frühsommertag, an dem auch Coach Sandmann vorab ein gewisses Bauchgefühl gehabt hatte: „Der Gedanke, wenn wir es heute nicht schaffen, haben wir noch zwei weitere Matchbälle, hat mich den ganzen Tag nicht losgelassen. Vielleicht wollten die Jungs die Vorentscheidung zu sehr erzwingen, waren im Kopf nicht frei genug. Auch die Belastung mit dem Pokalspiel vom Sonnabend hat vielleicht eine Rolle gespielt.“ Den Neustädtern war es recht, denn sie schlugen erbarmungslos Kapital daraus: Erst glich Lukas Koch per Sonntagsschuss zwei Minuten vor Ultimo zum 2:2 aus. Übrigens schon der zweite, nachdem Felix Richard die Gastgeber nach einer halben Stunde in Führung geschossen hatte. Und nur Sekunden nach Wiederanstoß krönte TuS-Rechtsaußen Uz Müller eine Energieleistung schließlich mit dem 3:2-Siegtreffer (89.).

Entsprechend groß war nach dem Abpfiff die Enttäuschung auf Seiten der Gäste. Mit Blick auf die letzten zwei Spieltage heißt die Devise „aufrappeln“, denn wie auch Sandmann weiß: Passiert ist noch nichts. „Wir standen kurz vor dem Ziel, sind aber auf einen absolut starken Gegner getroffen. Schade, aber jetzt werden wir die fünf Tage nutzen und alles daran setzen, am nächsten Sonnabend in Genthin für die Entscheidung zu sorgen.“

Magdeburg-Neustadt: Miedlich – Fischer (46. Baidoun), Richard, Kliche, Schmidt (83. Förster), Niemann, Müller, Tewes, Meyer (77. Dolch), Lipowski, Koch

Niegripp: Westhause – H. Schäfer, Zeuch, Räcke, Müller, B. Schäfer, M. Lindenblatt (76. Blum), Mlynek (71. Kramer), Wittpahl, Schlüter, D. Lindenblatt

Tore: 1:0 Felix Richard (30.), 1:1 André Wittpahl (83., FE), 1:2 Danny Lindenblatt (85.), 2:2 Lukas Koch (88.), 3:2 Uz Müller (89.); SR‘in: Sarah Hartmann (Osterwieck), Florian Mummert, Jan Kriesche; ZS: 107