Gerwisch l Der 1. FC Magdeburg – Drittligist, gerade zurück aus der zweiten Bundesliga und Top-Team im Nord-Lostopf bei der Auslosung des Sachsen-Anhalt-Pokals. Nur die kühnsten Fans und Verantwortlichen der SG Blau-Weiß Gerwisch hatten nach dem Sieg im Kreispokal-Endspiel über Eintracht Gommern auf den Hauptgewinn bei der Auslosung Anfang Juli gehofft. Trainer Rene Pinske war „wie vor den Kopf gestoßen“, als er seinerzeit auf Nachfrage der Volksstimme vom Spiel gegen die Magdeburger erfuhr.

In der Folge mussten abseits des Spielfeldes zahlreiche Vorkehrungen getroffen werden, um den Anforderungen eines solchen Prestigespieles gerecht zu werden. „Sicherheitskonzepte mussten erarbeitet, die Ordner- und Gastronomiesituation geklärt werden. Zudem waren einige Auflagen des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA) zu erfüllen“, erinnert sich der Trainer. Der ganze Ort war in Aufruhr.

Tickets waren schnell vergriffen

Zur Schaffung zusätzlicher Parkplätze wurde extra ein benachbartes Feld abgemäht, um dem Zuschaueransturm Herr zu werden. 1000 Tickets wurden verkauft, 200 davon an die Gastmannschaft. „Wir hätten gut und gerne das Doppelte, vielleicht sogar Dreifache verkaufen können, doch das ließen die Regularien nicht zu.“

So ungewohnt die Vorbereitungen rund um das Spiel waren, so unspektakulär war das Training der Mannschaft. „Wir haben kaum etwas anders gemacht. Das einzige, was sich in den letzten Wochen geändert hat, war die Trainingsbeteiligung. Manche Spieler, die man schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte, waren plötzlich wieder mit vollem Einsatz dabei“, schmunzelte der Übungsleiter. Jede frei Minute wurde der Vorbereitung auf das Spiel des Jahres geopfert, jede Schicht getauscht, um beim größten Highlight in der jüngeren Vereinsgeschichte der Blau-Weißen dabei zu sein. „Die einzige Ausnahme ist Max Zimmermann, der während des Spiels im Urlaub ist und seine Freundin nicht überreden konnte, für einen Tag zurück nach Deutschland zu fliegen.“

Vor dem großen Duell haben die Gerwischer am Dienstag in Niegripp und Freitag beim Möckeraner TV zwei Testspiele bestritten, um im Rhythmus zu bleiben. „Meine Mannschaft spielt viel lieber Fußball, als sich von mir langweilige Vorträge über Taktik und unsere Spielweise anzuhören“, so Pinske. Angst vor schweren Beinen bei seinen Spielern hat er nicht. „Sie haben noch drei Tage, um sich auszuruhen und zu regenerieren.“

Mannschaft will sich „gut verkaufen“

Für das eigentliche Spiel möchte Pinske die Hoffnungen nicht zu hoch schrauben. „Wir sind der klare Außenseiter und werden den FCM sicher nicht an die Wand spielen“, meinte er realistisch. „Wir müssen schauen, was die Magdeburger uns anbiete, dann können wir den Favoriten vielleicht ärgern. Abschießen lassen wollen wir uns zumindest nicht, dafür müssen wir unser bestes Spiel abrufen.

Eine taktische Vorgabe hat der Trainer gegen den höherklassigen Gegner noch nicht bestimmt. „Natürlich müssen wir defensiv gut stehen, aber eine Mannschaft wie Magdeburg wird sehr wahrscheinlich trotzdem ihren Weg vor unser Tor finden.“

Pinske hat allerdings eine etwas unorthodoxe Idee, wie man den Drittligisten vom Toreschießen abhalten kann. „Wir werden eine Plexiglas-Wand vor unserem Tor aufbauen und so versuchen, die Null zu halten“, lachte er. Ob das jedoch den eingangs erwähnten Regularien gerecht wird, ist fraglich.

„Ich hoffe, dass wir den vielen Zuschauern ein unvergessliches Spektakel liefern können“, so der Trainer. Karten für dieses gibt es keine mehr. Die Abendkasse am Eschenweg bleibt geschlossen.