Halberstadt l Nach der virtuellen letzten Sitzung mit der Arbeitsgemeinschaft „Fortführung Spielbetrieb“ der Regionalliga Nordost hat sich Germania-Präsident Erik Hartmann öffentlich geäußert. Auch wenn die erste Mannschaft am Montag wieder mit dem Training startete, ein Termin für den „Re-Start“ steht in den Sternen. Gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk beschrieb der 45-jährige Rechtsanwalt aus Halberstadt eine bedrückende Atmosphäre, bei der sich am Ende jedoch alle Vereinsvertreter einig waren, so schnell wie möglich wieder anfangen zu wollen.

Unklarheiten über den Re-Start

Als problematisch stellen sich immer wieder die unterschiedlichen Verfügungslagen heraus. Im Gegensatz zur Regionalliga West, die wie die drei oberen deutschen Profiligen fortgesetzt wird, sind bei der Nordoststaffel fünf Bundesländer involviert. Bei der Weststaffel ist es mit Nordrhein-Westfalen lediglich ein Land. „Die Gegebenheiten aller sind aber zu berücksichtigen“, so Hartmann. Aufgrund der zahlreichen Fragezeichen, machte es auch keinen Sinn, schon über Modi zu sprechen. Hartmann: „Wir müssen uns zuerst im Klaren sein, wann wir wieder anfangen. Eine Festlegung bringt nichts, wenn dann womöglich erneut abgebrochen wird.“ Dass innerhalb der Liga verschiedene Interessen verfolgt werden, ist auch klar. Grundsätzlich gehe es aber sachlich zu, so Hartmann weiter.

Wenn dann irgendwann ein Modus von der AG vorgeschlagen wird – beschließen kann ihn letztlich nur der Spielausschuss des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) – müsse es rechtssicher sein. Denn, so Hartmann: „Es gibt immer Gewinner und Verlierer und Verlierer klagen in der Regel. Also muss jede Änderung wohl überlegt sein. Als Rechtsanwalt schaue ich in der Rechtssprechung nach ähnlichen Fällen, aber so einen Fall mit Abbruch, Wechsel des Modus in Verbindung mit der Corona-Pandemie – da gibt es nicht viel. Somit bewegen wir uns in trüben Gewässern und berufen uns letztlich auf das Fairplay. Ein Entscheid muss im Interesse der Gesamtheit sein.“

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Bei der nächsten virtuellen Zusammenkunft am 27. Januar soll dieser Punkt mit auf die Agenda.

Ginge es nach Hartmann, sollte man versuchen, so lange wie möglich zu spielen, dann den in dieser Saison direkten Aufsteiger gegebenenfalls über die Quotientenregel bestimmen. „Vielleicht schaffen wir es, auf 30 Spiele zu kommen, also alle Teams mit der gleichen Anzahl an Partien. Das wäre das Optimum. Aber schon jetzt haben nicht alle Teams die gleiche Anzahl an Saisonspielen. Es sind viele Unwägbarkeiten zu beachten.“

Noch schwieriger erscheint die Bestimmung der Absteiger. Der NOFV hat zwar in dieser Saison die Spielordnung geändert, so dass die Quotientenregel eingebunden ist, es bleibt aber die Frage, ab welcher Anzahl an Punktspielen ist sie anzuwenden? Erik Hartmann: „Wenn in der Spielordnung steht, dass die Saison aus Hin- und Rückrunde besteht, es aber nicht mehr zu einer Rückrunde kommt, dann ist diese Regel womöglich angreifbar, wir wollen aber nicht angreifbar sein.“

Corona-Auflagen finanziell nicht haltbar

Weiterer wichtiger Punkt sind Tests. In den drei Profiligen ist eine Durchführung ohne regelmäßige Tests nicht vorstellbar. Die Vereine und der NOFV haben dieses Problem erkannt, prüfen es derzeit: Inwieweit ist ein Test einen Tag vor dem Spiel möglich, wo belaufen sich die Kosten, woher kommt das Personal?.Hier wird schnell das Grundproblem der Regionalliga Nordost sichtbar: Es ist eine Zwischenliga zwischen den Profis und den Amateuren, sie bewegt sich auf semiprofessionellem Terrain. Den Vereinen fehlen die finanziellen Mittel. In der Regionalliga West unterstützt das Land NRW finanziell. Für die Regionalliga Nordost hatte das die Politik zuletzt nicht in Aussicht gestellt.

Halberstadts Präsident macht sich für eine Hilfe durch die Landespolitik stark. „Die finanzielle Unterstützung muss auf die Regionalliga erweitert werden.“ Er erklärt es am Beispiel Germania Halberstadt. Um das Insolvenzrisiko vom Gesamtverein mit seinen 850 Mitgliedern fernzuhalten, wurde einst die Fußball-Kapitalgesellschaft gegründet. Dadurch gelten gerade finanziell andere Regeln, zum Beispiel bei Fördermitteln. Die monatlichen Kosten laufen trotzdem weiter. Zudem falle die eine Säule der Einnahmen, die Zuschauer, wahrscheinlich bis Saisonende weg. Die andere, das Sponsoring, steht auch auf unsicheren Füßen, schließlich kämpft auch so manch Sponsor mit den Folgen. Und weil der Großteil der Spieler nicht ins Kurzarbeitergeld fällt, greift die Lohnfortzahlung. „Meine Bitte ist es darum, dass wir gemeinsam für Unterstützung werben. Alle leiden gleich. Die Regionalliga ist ein breites Abbild der neuen Bundesländer. Gibt es keine Hilfe, könnte es sein, dass es zum 1. Juli nur noch zehn statt jetzt 20 Klubs gibt.“