Halberstadt l Volksstimme Redakteur Ingolf Geßler unterhielt sich aus diesem Anlass mit Detlef Rutzen, Präsident des Kreisfachverbandes Fußball Harz.

Hattest Du damit gerechnet, dass die Situation mit dem Virus solche Auswirkungen auf den Sport haben würde?

Nein, ich denke das konnte sich wohl niemand so vorstellen. Anfang des Monats haben wir im Präsidium die Situation analysiert und waren zu der Erkenntnis gekommen, den Spielbetrieb laufen zu lassen und regelmäßig neu zu bewerten. Bei den Zahlen der Beteiligten wie Spieler und Zuschauer lagen wir zu diesem Zeitpunkt deutlich unter den Vorgaben der Behörden.

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Geht der Fußball Deiner Meinung nach richtig mit der Corona-Krise um?

Wenn man die rasante Entwicklung der Krise der letzten Tage betrachtet, kann man den beschrittenen Weg nur als richtig bezeichnen. Die Gesundheit der Bürger hat oberste Priorität.

Gibt es Harzer Vereine, die in dieser Problematik beim Kreisfachverband Fußball um Rat oder Hilfe fragen?

Bisher nicht. Die Verantwortlichen in den Vereinen sind derzeit eigenverantwortlich damit beschäftigt, die Vorgaben und Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung für ihre Verantwortungsbereiche zu überprüfen und entsprechende Regelungen zu treffen.

Welche Empfehlungen geben Sie den Vereinen, auch was den regulären Trainingsbetrieb betrifft?

Man kann da nur auf die Empfehlungen der Behörden verweisen. Es wäre nach meiner Auffassung sinnvoll, auch den Trainingsbetrieb einzustellen bzw. kreative Formen wie individuelle Trainingspläne zu nutzen. Es macht nicht wirklich Sinn, den Wettspielbetrieb einzustellen und mit einem Trainingsbetrieb die Zielstellungen der umfangreichen Reduzierung sozialer Kontakte zu unterlaufen.

Denkst Du, dass der Spielbetrieb dieser Saison noch einmal aufgenommen wird?

Ich bin grundsätzlich Optimist, aber die weitere Entwicklung ist derzeit nicht absehbar. Wenn es möglich ist, nach Ostern wieder zu einem geordneten Leben zurückzukehren, hätten wir bis zum 30. Juni noch Zeit, die Saison zu Ende zu spielen – wie auch immer. Wir hatten vor einigen Jahren auch das Problem, dass wir Anfang des Jahres durch die Unbespielbarkeit der Plätze erst Mitte April in den regulären Spielbetrieb zu kommen. Gemeinsam mit den Vereinen haben wir dann die Saison noch ordentlich zu Ende gespielt. Der Schlüssel wird die Unterstützung der Vereine bzw. die Kommunikation mit ihnen sein. Alles hängt von der weiteren Entwicklung der Krise ab.

Wie, denkst Du, sieht die beste Lösung für die Bundesliga aus?

Das ist eine schwierige Frage für mich. In den Bundesligen greifen deutliche andere Mechanismen im Vergleich zu unserem Basisfußball.

Gibt es bereits verschiedene Szenarien, wie mit den abgesagten Spieltagen verfahren wird?

Wie bereits angedeutet, haben wir einige Erfahrungen im Umgang mit schwierigen Situationen. Gemeinsam mit den Vereinen werden wir zu gegebener Zeit mögliche Szenarien diskutieren. Es handelt sich schließlich um den Spielbetrieb der Vereine. Denkbar wäre die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach Ostern. Sollte das erst später möglich sein, werden weitere Szenarien zu diskutieren sein. Ich persönlich könnte mir dann auch die Beendigung des Spieljahres in Turnierform vorstellen. Dafür wäre ein Konzept auszuarbeiten. Unmöglich erscheint es mir nicht.

Bis zu welcher Ausfallzeit würde ein Nachholen der Spiele Sinn machen?

Das kann ich heute so nicht beantworten. Das Ziel bleibt es weiterhin, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen.

Sind „Geisterspiele“ auch auf Kreisebene vorstellbar?

Ich denke nicht. Es geht ja nicht nur um den Schutz der Zuschauer. Die Zuschauerzahlen wären sicher an vielen Stellen nicht das Problem. Es geht eben auch und in erster Linie um den Schutz der Spieler.

Gibt es Gedankenspiele, wie in Auf- und Abstiegsfragen bei einem Abbruch der Saison verfahren wird?

Ein Abbruch der Saison ist das denkbar schlechteste Szenario. Das wollen wir möglichst verhindern und denken heute noch nicht darüber nach. Im Vordergrund steht vorerst die gemeinsame Diskussion im Interesse eines ordentlichen Saisonfinals. Wir beobachten ständig die aktuelle Entwicklung der Situation und die gegebenen Empfehlungen.

Welchen Standpunkt hast Du zur möglichen Absage bzw. Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft?

Genau genommen wäre es konsequent, wenn die Gesundheit von Spielern und Zuschauern nicht rechtzeitig gewährleistet werden kann. Jegliches Risiko ist nicht gerechtfertigt.