Magdeburg l Sie ist der Traum eines jeden American Footballers: die perfekte Saison, die Saison nur aus Siegen. Am Sonnabend haben die Magdeburg Virgin Guards dieses Meisterwerk vollendet mit einem 26:21-Erfolg bei den Leipzig Lions. In einer denkbar umkämpften und spannenden Partie landete die Garde damit den achten Sieg im abschließenden achten regulären Saisonspiel der Süd-Staffel der Regionalliga Ost.

„Das war eine mega knappe Kiste, ein Herzschlagfinale bis zur allerletzten Sekunde“, befand auch Trainer Harald Voelkel am Tag danach. Während seine Schützlinge ihren Erfolg bereits auf der Heimreise und anschließend in diversen Magdeburger Lokalitäten feierten, nahm es der Cheftrainer ganz gelassen und saß am Sonntagmorgen bereits mit großer Freude an der Auswertung des Spiels.

Die Magdeburger trafen in der Messestadt nämlich auf einen bestens vorbereiteten Gegner. Umgekehrt sah es beim Tabellenführer ungewohnt dünn aus. Ein Magen-Darm-Virus hatte das Team unter der Woche hart erwischt, so dass sich zu den erwarteten Ausfällen kurzfristig sieben weitere fehlende Akteure gesellten.

So gastierten die Virgin Guards ausgerechnet beim stärksten Gegner und größten Rivalen in der Liga mit einer „Nottruppe“. Diese hielt in der Leipziger Ratzelstraße aber gut mit, so dass es nach einem Touchdown von Robert Kuzenko und anschließender Two-Point-Conversion von Lars Lange mit 8:7 in die Pause ging.

Trainer wagt Risiko

Im zweiten Durchgang verloren die Sudenburger nach Ben Hamelmanns Touchdown zum zwischenzeitlichen 14:7 und einer diesmal verfehlten Two-Point-Conversion im Anschluss aber zusehends das Momentum. So fand sich der Spitzenreiter nach einem von vielen Strafen begünstigten Leipziger Touchdown und einem Trickspielzug, der die gesamte Guards-Defense auf dem falschen Fuß erwischte, im letzten Viertel plötzlich mit 14:21 im Hintertreffen.

„In dieser Phase hat sich der Charakter der Jungs gezeigt. Als es am meisten darauf ankam, waren sie zur Stelle“, berschrieb Voelkel die Schlussminuten. Denn die Virgin Guards hätten mit einem einfachen Extrapunkt zum 21:21 ausgleichen können, nachdem Hamelmann zum zweiten Mal den Weg in die Endzone gefunden hatte. Head Coach Voelkel aber ging aufs Ganze und spielte den dritten Versuch für zwei Zusatzpunkte. Doch dieses Mal ging es schief, so dass die Lions wenige Minuten vor dem Ende weiter mit einem Zähler führten.

Dann aber schlug die große Stunde von Linebacker Luca Lampe. Als Kicker hatte Lampe bis dahin zwei Field Goals und damit mögliche sechs Punkte vergeben, doch mit einem abgefangenen Pass kurz vor der Leipziger Endzone machte er alles wieder gut. „Mit dieser Szene hat er das Momentum auf unsere Seite geholt. Das war ein unglaubliches Play“, war auch Voelkel baff.

In der Offensive war es dann ein Spielzug, den die Garde bereits seit November regelmäßig trainiert, bei dem Robert Kuzenko schließlich mutterseelenallein in die Endzone spazierte und die Führung zurückholte. Die Lions kamen in kürzester Zeit jedoch noch einmal bis kurz vor die Magdeburger Endzone und feuerten viermal in Richtung Endzone. Es half nichts mehr. Um 18:41  Uhr war die perfekte Saison in den Büchern. „Das Ende hätte kein Regisseur besser schreiben können. Wir konnten vielleicht nicht die etatmäßig besten Spieler bringen, aber vom Teamgefühl her war dieser Auftritt einfach grandios“, lobte Voelkel.

Für die Garde heißt es als Staffelsieger im Süden nun zunächst abwarten. Das Meisterschafts-Endspiel gegen den Sieger der Nord-Staffel, der entweder Spandau Bulldogs oder Berlin Adler heißen wird, steht nämlich erst Anfang September auf dem Plan. „Die Jungs sollen erstmal etwas vom Football wegkommen und sich Zeit nehmen für Urlaub, Familie, Freundin, Studium, Party und Co. Das haben sie sich mehr als verdient“, meint der Coach.

Der hingegen wird auch in den kommenden spielfreien Wochen nur an den American Football und die anstehenden Play-offs denken.