Magdeburg l Es gibt Momente im Gespräch mit Michael Puse, in denen man irgendwie zwangsläufig am Billard-Tisch landet. Diese Momente, in dem der Karambol-Spieler des 1. BC Magdeburg seinem Gegenüber die Faszination dieses Sports näherzubringen und ihn ein wenig in die Theorie einzuführen versucht. Zum Beispiel in das sogenannte Conti-System, über das man Stöße über drei Banden berechnen kann. Und wenn Michael Puse so spricht, dann gibt er einen ganz hervorragenden Lehrer ab, der die Zusammenhänge prima vermitteln kann.

Billard, erst recht Dreiband-Billard, wie es Puse und seine Teamkollegen am Wochenende in der Bundesliga unter anderem gegen den Spitzenreiter 1.  BC München zeigen werden, hat fraglos viel mit Mathematik zu tun. Und wer weiß, dass dieser Michael Puse beruflich Fachinformatiker ist, könnte in solchen Lehrmomenten auf die Idee kommen, dass dieser Mann einen sehr rationalen Zugang zu seinem Sport hat.

Im Grunde kann man mit dieser Einschätzung gar nicht falscher liegen. Denn tatsächlich ist Michael Puse eher der Gefühlsspieler. „Was mich am Dreiband fasziniert, ist die Kreativität“, sagt der 43-Jährige. „Für jeden Stoß gibt es vielleicht zehn Lösungen.“ Und eben nicht nur die mathematisch besonders logische.

Lehrbuch als Lehrmeister

Puse ist ein Spätberufener in seinem Sport. Mit 17 Jahren hat der gebürtige Hallenser angefangen, Billard zu spielen, erst mit 23 kam er zum Dreiband. Und ein Schlüsselerlebnis dabei war, dass er das Buch „Billard“ von Walter Leffringhausen geschenkt bekam. Untertitel: „Das komplette Lehrbuch.“

Puse lernte. Weitgehend als Autodidakt. Und er lernte schnell. Zweite Bundesliga, Bundesliga – irgendwann war er sogar Nationalkader, spielte die Weltcup-Serie, war im deutschen Aufgebot für die Mannschafts-WM. Als Vollprofi stand er unter anderem in Wien unter Vertrag. „Aber irgendwann, vor allem als mein Sohn auf die Welt kam, habe ich mich gefragt, ob das der richtige Weg für mich ist, ob es das ist, was ich machen will.“

Es ist dieser Moment, den jeder Profi in jeder Sportart irgendwann erlebt. Wenn aus Leidenschaft Arbeit, wenn aus Kür Pflicht wird. „Ich habe mich dann für die Ausbildung entschieden. Computer und Technik, das hat mich immer interessiert“, sagt Puse.

Inzwischen hat sich als Netzwerkadministrator weitergebildet. Der Sport ist heute Hobby. „Ich spiele Billard, weil es mir Spaß macht“, sagt Michael Puse. Der Gefühlsspieler eben. Und genau deshalb steht er auch für den 1.  BC in Magdeburg am Tisch. Für einen kleinen Verein, der aber sehr familiär daherkommt und mit einer freundschaftlichen Atmosphäre seit Jahr und Tag auch den Weltmeister und Weltranglisten-Ersten Dick Jaspers aus Holland anzieht. „Es gibt Vereine in Deutschland, für die ich nicht spielen würde“, sagt Puse.

Hinzu kommt: Der BCM ist das beste Beispiel, dass solche weichen Faktoren dem sportlichen Erfolg nicht entgegenstehen. Die Mannschaft ist amtierender deutscher Meister. Sie will den Titel verteidigen – und auf dem Weg dahin hat vor allem das Duell am Sonnabend eine richtungsweisende Bedeutung. Die Magdeburger sind Zweiter, ihr Gast, der 1. BC München, ist Tabellenführer. „Es ist kein Geheimnis, dass wir zurück an die Spitze wollen“, sagt Teamchef Frank Eder, „und das können wir am kommenden Wochenende schaffen.“

Der BCM wird in Bestbesetzung antreten. Mit dem Spitzenduo Dick Jaspers und Dion Nelin aus Dänemark. Michael Puse wird wieder an Position drei spielen, Markus Schönhoff an vier. Und Puse selbst möchte an das anknüpfen, was ihm zuletzt beim Auswärtssieg in Elversberg gelungen war. Da brillierte er mit einem Schnitt von 2,0 Punkten pro Aufnahme. Ein Wert, den Billard-Experten als Weltklasse einordnen.

Gutes Gefühl, gute Leistung

Dass ihm diese Leistung ausgerechnet in Elversberg gelungen ist, ist für ihn kein Zufall. Keine Auswärtsfahrt liebt Michael Puse so sehr wie die ins Saarland. „Ich bin unglaublich gern dort“, sagt er. „Ich mag die Tische dort, ich mag die Menschen dort, ich kenne dort im Verein wahnsinnig viele Leute.“

So ist es, wenn ein gutes Gefühl zu guten Leistungen führt.