Magdeburg l Der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) hat hat gegrübelt und Gespräche geführt. Sehr, sehr viele sogar. Und hat es letztlich doch noch geschafft, sich zu einer Generalabsage des Spielbetriebs an diesem Wochenende im Land durchzuringen. Nach Volksstimme-Information standen schon gestern Mittag die Zeichen stark auf Spieltagsabsage von der Verbandsliga bis Landesklasse. Nun wird im gesamten Land – auf allen Ebenen und in allen Altersklassen – nicht mehr gespielt. Nicht an diesem Wochenende, ganz sicher nicht mehr in diesem November. Und womöglich auch nicht mehr in diesem Kalenderjahr.

Um 19.30 Uhr also veröffentlichte der FSA gestern seine Beurteilung der Situation und seine Entscheidung, zu der Landesverbände anderer Sportarten frühzeitig am Tag nach der nach Verkündung des erneuten Corona-Lockdowns zum 2. November gekommen waren: „Um der gesellschaftlichen Verantwortung in dieser Situation gerecht zu werden, hat das Präsidium zusammen mit den Präsidenten der Kreis- und Stadtfachverbände sowie mit den Vorsitzenden der spielleitenden FSA-Ausschüsse beschlossen, den gesamten Spielbetrieb in allen Spielklassen ... auf Landes- und Kreisebene bis auf Weiteres (inkl. des Spieltages am 31.10./01.11.2020), mindestens aber bis Ende November abzusetzen“, steht in der Mitteilung auf der Internetseite des Verbandes geschrieben.

Trainer waren skeptisch

Vor diesem Beschluss wurde bereits deutlich, dass die Trainer der Magdeburger Landesligisten eine Austragung des neunten Spieltags in der Nord-Staffel äußerst skeptisch betrachten. Marcus Mähnert vom MSV Börde sprach in dieser Hinsicht sogar von einem „Irrsinn“. Und begründete dies so: „Nur weil erst ab dem 2. November aus erklärbaren Gründen der Corona-Lockdown beginnt, heißt das nicht, dass schon drei Tage zuvor jeder machen kann, was er will.“ Nun wurde diesem „Irrsinn“ eine Absage erteilt.

Mähnert hätte mit dem MSV am Sonnabend in Blankenburg antreten müssen – doch der 39-Jährige hatte gestern Nachmittag eigentlich nur auf ein Zeichen des FSA gewartet. Börde hatte diesem Spiel nicht mal mehr entgegentrainiert, was allerdings einen anderen Grund als Corona hatte. Der Trainingsausfall war den Pflegemaßnahmen auf dem Kunst-rasenplatz im GuthsMuts-Stadion geschuldet. Zudem: „Wir hatten noch eine Hallenzeit, aber die haben wir auch abgesagt“, so Mähnert. Jetzt also haben seine Schützlinge eine vierwöchige Zwangspause. Der Corona-Lockdown dauert nämlich bis zum 30. November an.

Wird 2020 noch einmal Fußball gespielt?

Ob danach tatsächlich noch Fußball gespielt wird im Kalenderjahr 2020, das wagt Torsten Marks indes zu bezweifeln. „Ich denke, das war‘s mit dem Fußball in diesem Jahr“, sagte der Coach des MSC Preussen. Mit seiner Mannschaft sollte Marks beim Burger BC antreten – zum Spitzenspiel zwischen dem gastgebenden Tabellen- dritten und dem Zweiten.

„Für mich wäre es eine kleine Reise in die Vergangenheit gewesen, ich kenne viel Jungs dort“, die dafür sorgen, dass Marks sich gerne an sein einjähriges Engagement als Coach beim BBC in der Serie 2015/16 erinnert – damals in der Verbandsliga. Die Rückkehr wird nun verschoben. Dabei hatte Burg diese Partie bereits gestern Nachmittag abgesagt – noch weit vor der FSA-Entscheidung also. Und zwar wegen der Unbespielbarkeit der beiden Plätze im Flickschupark.

Schönebeck in Quarantäne

Noch früher hatte Union Schönebeck dem TuS 1860 Magdeburg mitteilen müssen, dass die für morgen angesetzte Partie ausfällt. „Wir haben vom Staffelleiter die Information erhalten, dass man seitens Schönebeck das Spiel aufgrund der aktuellen Situation abgesagt hat“, hatte TuS-Teammanager Hannes Pilz erklärt. Das gesamte Union-Team befindet sich aufgrund eines Corona-Falls derzeit in Quarantäne.

Wird MSC-Coach Marks nun seine Männer zum letzten Training bitten, bevor die Sportanlagen am Montag verriegelt werden? „Die Jungs sind pappesatt wegen der bevorstehenden Einschränkungen“, berichtete der 47-Jährige. „Wenn ich sie noch einmal zum Powerwalk bitte, würde ich mit meinem Hund allein dastehen.“

Nun harrt er der Dinge aus, die in diesem Jahr noch folgen. Womöglich ist das kein Anpfiff in der Landesliga mehr. „Ich bräuchte nach dem Lockdown zwei Wochen, um die Mannschaft wieder vorzubereiten, dann ist es außerdem fraglich, ob die Witterung mitspielt“, so Marks. Und dann ist auch schon Weihnachten.

Marks hat bereits einen Tipp für den FSA: Der Verband könnte sich vielleicht mit dem Gedanken beschäftigen, die aktuelle Saison bis zum Ende 2021 spielen zu lassen.