Magdeburg l Als sich Paul Niemann in der E-Jugend dazu entschieden hatte, innerhalb der Neustadt von den Fußballern des SV Fortuna zum TuS 1860 zu wechseln, ahnte er ganz bestimmt noch nicht, wie weitreichend diese Entscheidung sein würde. Zwanzig Jahre später läuft Niemann noch immer mit dem schwarz-gelben Logo auf der Brust auf und ist sogar Kapitän derer TuS-Elf, der nach 16-jähriger Abstinenz die ersehnte Landesliga-Rückkehr gelang.

Stolz auf Aufstieg

„Andere Vereine haben mich nie gereizt, eine höhere Liga als die Landesklasse schon“, erzählt Niemann und ist darum besonders stolz, mit den Neustädtern 2019 den Aufstieg realisiert zu haben. „Das war mein Ziel. Ich wollte es unbedingt mit TuS schaffen“, sagt er zufrieden. Nach anderthalb Spielzeiten und 24 Partien kommt der Mittelfeldspieler zum Schluss: „Die Landesliga ist eine ganz andere Hausnummer. Die Qualität ist in der Breite viel höher und jeder muss an seine Grenzen gehen, um punkten zu können.“

Dies gelang den Neustädtern in den letzten anderthalb Jahren zu selten, bemängelt Kapitän Niemann. „Zu häufig fehlen ein paar Prozente, die uns am Ende das Genick brechen“, erklärt er. So stand der Aufsteiger in der Vorsaison, bevor die Spielzeit letzten Endes abgebrochen worden ist, vor einem „kleinen Himmelfahrtskommando“, den Abstieg noch aus eigener Kraft zu verhindern. Nach acht Partien in der neuen Saison sind sie wieder in der gefährlichen Zone anzutreffen. „In diesem Jahr sehe ich uns für den Abstiegskampf allerdings besser gewappnet“, bleibt Niemann optimistisch.

Ein wünschenswerter Anführer

Auch, weil mit René Angerer ein Coach am Werke ist, der die Mannschaft voll erreicht. „,Angi‘ ist einer der besten Trainer, die ich bisher hatte. Ein Fußballlehrer mit Prinzipien, der der Mannschaft mit seinem klaren Matchplan und seiner kommunikativen Art sehr weiterhilft“, so Niemann.

Das Lob gibt der Übungsleiter seinem Spielführer umgehend zurück. „Er ist ein Kapitän, wie man sich ihn nur wünschen kann. Mit vorbildlichem Verhalten geht er auf und abseits des Platzes voran“, schwärmt Angerer und ergänzt: „Ihm merkt man an, dass er für diesen Verein lebt. Er hat das TuS-Gen verinnerlicht.“ Und dabei wäre seine Laufbahn in der A-Jugend beinahe schon beendet gewesen. „Ich hatte mir eine Pause genommen, hatte während der Ausbildung ohnehin wenig Zeit“, erzählt der 29-Jährige.

Kein Leben ohne TuS

Umso glücklicher ist er heute, dass Kindheitsfreund Nico Böhme ihn davon überzeugen konnte, wieder anzufangen: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben ohne TuS aussehen würde.“ Allein schon deshalb war Böhme eine sichere Nominierung für Niemanns persönliche Top-Elf: „Ihm habe ich viel zu verdanken. Sportlich war er immer ein Leistungsträger, leider zu oft verletzt.“

In die Viererkette gesellen sich mit Felix Richard und Stefan Fischer auch zwei aktuelle Neustädter. „Felix ist ein absoluter Führungsspieler, positiv von Ehrgeiz zerfressen und ein Coach auf dem Platz. Mein Kabinen-Banknachbar Fischi überzeugt mit seinem überragenden Stellungsspiel, tollen Diagonalbällen und Kopfbällen“, begründet Niemann. Hinzu kommt der inzwischen in Karlsruhe beheimatete Moritz Wittemann: „Er hat einen begnadeten linken Fuß, allerdings war er hinten immer zu gut, um vorne zu spielen.“

Keeper mit weiteren Qualitäten

Eine mögliche Option für die Abwehrreihe wäre wohl auch Schlussmann Benedikt Mundry gewesen. „Er gibt einen Klasse-Außenverteidiger“, scherzt Niemann, „im Tor ist er aber besser aufgehoben. Gute Reflexe, eine starke Strafraumbeherrschung und ein ordentliches Spiel mit dem Ball am Fuß zeichnen ihn aus.“

Im Mittelfeld wirbeln mit Leon Harter, Johannes Meyer und Fabian Jahnel drei aktuelle Mitspieler. „Leon ist nicht nur einer meiner besten Freunde, sondern offensiv eine echte Waffe. Hanni zeichnen seine Standards aus, leider reicht seine Luft nur für 60 Minuten und Fabi ist mit seiner Ruhe am Ball und seiner Technik einer der besten Kicker, die ich kenne“, erklärt Niemann. Vierter im Bunde ist die „Maschine“ Uz Müller: „Auf jeden Fall der fitteste Spieler, den ich kenne, und ein ganz feiner Bengel.“

Ein Freigeist und ein Humorloser

Die Sturmspitzen bekleiden mit Oliver Busse und Christopher Garz zwei ehemalige Neustädter. „Oli ist ein Freigeist auf dem Platz. Nach hinten ging nicht viel, nach vorne umso mehr. Chrissi ist die personifizierte Humorlosigkeit und war schon als junger Spieler unglaublich abgezockt“, erinnert sich Kapitän Niemann.