Magdeburg l Gelassen war die Stimmung am Sonnabend, als Matthias Mincu und seine U 19 des 1. FC Magdeburg den Heimweg aus dem hohen Norden antraten. In der Bundesliga Nord/Nordost belohnten sich die A-Junioren des Clubs mit einem 3:2-Erfolg bei Holstein Kiel schließlich für die lange Reise. Doch waren auch die 90 Minuten Schlagabtausch zuvor auf dem Spielfeld weit davon entfernt, entspannt zu sein.

Zunächst schien es nämlich, als würde die knapp 400 Kilometer weite Fahrt zum Desaster werden. Nach gerade einmal 17 gespielten Minuten fanden sich die Magdeburger A-Junioren nach Treffern von Leon Gino Schmidt (11.) und Maximilian Zoch (17.) bereits mit 0:2 im Hintertreffen. „Diese erste Hälfte war ein Abbild unserer Saison. Wir investieren viel, können daraus keinen Profit schlagen und laden den Gegner mit einfachsten individuellen Fehlern zu Toren ein“, berichtete Mincu. „Wir konnten zur Pause sogar froh sein, dass Kiel nicht noch höher führte.“

Ungewöhnliche Trainer-Maßnahme

Folglich bedient war der Coach zur Pause. Und griff zu einer für ihn ungewöhnlichen Maßnahme. „Die Jungs haben in der Halbzeit eine klare Ansage bekommen. Normalerweise bin ich nicht der Typ für solche Rundumschläge, aber ich wollte ihnen deutlich machen, dass sie sich selbst immer wieder um den eigenen Lohn bringen.“

Angefangen mit Tom Weiß‘ Anschlusstreffer gerade einmal 30 Sekunden nach dem Wiederanpfiff war Mincu schnell klar, dass seine Schützlinge die Ansprache verstanden hatten. „In der zweiten Hälfte war das eine unglaubliche Willensleistung. Die Jungs haben sich für jede erfolgreiche Aktion gegenseitig gepusht. Von außen war das ein geiles Bild.“

Der Club legt gleich nach

Und die FCM-U-19 legte nach. Nur acht Minuten später klingelte es zum zweiten Mal im Störche-Nest. Diesmal köpfte Hannes Rückert einen der „vielen brandgefährlichen Standards“ zum Ausgleich ein. Aber auch damit noch nicht genug. Die Krönung folgte in der 88. Spielminute, als der zwei Minuten zuvor eingewechselte Bruno Schiemann den Ball nach hervorragender Rückert-Vorarbeit zum 3:2 über die Linie drückte. Eben jener Schiemann, der genau eine Woche zuvor noch ins Krankenhaus gebracht worden war, am Montag aber trotz starker Schienbeinprellung schon wieder ins Training einstieg. Er stand geradezu sinnbildlich dafür, wie sehr die Magdeburger Jungs diesen Auswärtssieg wollten.

So konnte die vierstündige Heimfahrt also mit einer gelösten Stimmung und drei Punkten im Gepäck angegangen werden. „Die zweite Halbzeit hat gezeigt, wie unser Fußball ausschauen kann: emotional, mit starken Zweikämpfen und vielen schnellen Umschaltmomenten. Bringen wir das regelmäßig auf den Platz, will niemand gerne gegen uns spielen“, schwärmte Mincu noch gestern nach der Video-Auswertung.

Er wusste aber auch: Trotz den Sieges war nicht alles Gold, was glänzt: „Wir hätten in der zweiten Halbzeit auch nochmal dafür bestraft werden können, dass wir zu inkonsequent verteidigen. Aber so ein Quäntchen Glück in einigen Szenen gehört dann auch dazu.“

Test gegen Herren-Team

Nach der Video-Analyse mit der Mannschaft startete die Trainingswoche gestern mit einem ruhigen Aufgalopp. Morgen testen die A-Junioren beim Herren-Verbandsligisten BSV Ammendorf, ehe es in 14 Tagen in der Bundesliga daheim gegen den HSV weitergeht. „Der individuelle Trainingsplan soll ein Zeichen der Wertschätzung sein, dass wir uns in dieser Woche die Zeit nehmen, um auf jeden Spieler einzeln einzugehen“, erklärt Mincu den Plan für die kommenden Tage.