Magdeburg l „Mit zehn Punkten aus acht Spielen und dem achten Tabellenplatz können wir nicht zufrieden sein“, blickt Arminia-Trainer Thomas Tietz unbefriedigt auf die aktuelle Tabelle in der Fußball-Landesklasse, Staffel 2. Dabei hatten sich die Buckauer in puncto Saisonziel selbst gar keinen Druck auferlegt.

Zielgabe relativiert Abschneiden

Worte wie „Meisterschaft“ oder „Aufstieg“ wurden am Jahnsportplatz höchstens von außerhalb zugetragen. „Wir wollen uns als Mannschaft entwickeln, die eingeschlagene Integration unserer Nachwuchsspieler fortführen“, erklärte Tietz im Sommer zu den Bestrebungen der Spielzeit 2020/21. Deshalb meint der 42-Jährige: „Der eingeschlagene Lernprozess relativiert unser bisheriges Abschneiden.“

Und dennoch hatten sich die Buckauer mehr erhofft, als aktuell nur drei Siege bei einem Unentschieden und vier Niederlagen. Ein statistischer Wert ärgert Tietz dabei besonders: „Nach unserer Auswertung haben wir bisher erst ein Gegentor kassiert, dass der Gegner spielerisch erarbeiten musste. Der Rest waren Standardsituationen – insbesondere Einwürfe und Ecken – und Kontertore, zu denen wir mit zu einfachen Fehlern im Aufbauspiel eingeladen haben.“

Abwehr ist wesentlich löchriger

So stehen die Buckauer bereits bei 19 Gegentreffern. In der abgebrochenen Vorsaison war es bei der doppelten Anzahl der absolvierten Spiele nur eines mehr. „Das kommt dabei heraus, wenn wir jede Aktion spielerisch lösen möchten, als wären wir Bayern München“, meint Tietz. „Das nennt man dann wohl in Schönheit sterben.“

Ungewohntes Bild am Jahnsportplatz

Allerdings sieht er darin gleichzeitig auch eine wichtige Lektion für die jungen Spieler, die in ihr erstes vollständiges Herrenjahr bei Arminia gestartet sind. Mit Felix Matthäus, Dominic Sieding, Johann Moritz Kopsch, Felix Ziegler und Marius Woidacki haben in diesem Jahr gleich fünf Youngster den Sprung in den Landesklasse-Kader geschafft und dessen Altersschnitt ordentlich gedrückt.

„Das letzte Mal, dass so viele Jungs auf einmal hinzukamen, liegt bestimmt schon 20 Jahre zurück. Wenn es denn überhaupt schon einmal so war. Eigentlich bestimmten doch immer ältere Haudegen das Bild bei Arminia“, erzählt Tietz.

Der Nachwuchs hat sich etabliert

Am Jahnsportplatz ist also eine neue Zeitrechnung angebrochen, die sich auch an den Zahlen belegen lässt. Unter den vier Arminen, die bisher in jedem Saisonspiel zum Einsatz kamen, sind mit Sieding und Ziegler gleich zwei der 19-jährigen Youngster. Bei sieben Einsätzen steht der gleich alte Matthäus. Andere wie Lukas Magnus, Raman Omar oder Nuvar Ibrahim sind auch erst Anfang zwanzig.

Dabei ist es Tietz wichtig zu erwähnen: „Wir stellen die Jungs nicht auf, weil wir um jeden Preis auf die Jugend setzen wollen. Wir setzen sie ein, weil sie sich mit ihren Leistungen dafür empfehlen.“

Junioren an Herrenfußball gewöhnen

Darum ist sich der Übungsleiter auch sicher, dass die Qualität der Mannschaft durch die Zugänge von den A-Junioren nochmal einen „Boost“ erfahren habe. „Sie alle bringen sehr gute Ansätze mit, bereichern die Mannschaft allein mit ihrer Dynamik, Technik und fußballerischen Ausbildung“, schwärmt Tietz.

Nun komme es darauf an, sie an den Herrenfußball zu gewöhnen. „In der A-Jugend haben sie versucht, jede Szene spielerisch zu lösen. Bei den Herren muss man abwägen, in welcher Situation man welches Risiko eingeht“, so Tietz, der umgehend ergänzt: „Das war in dieser Saison ein Problem der gesamten Mannschaft.“

Es muss sich finden

Auch in der Taktik brauche es noch Zeit, um die Junioren gänzlich zu integrieren. Und die Hierarchie, die über lange Jahre auf festen Säulen aufbaute, müsse sich nun „neu verwachsen“.

Wenn das gelingt, sieht Tietz seine Mannschaft auf einem sehr guten Weg: „Auch wenn der Findungsprozess noch seine Zeit dauern wird, ist es die richtige Richtung. Wenngleich wir mit unseren Ergebnissen bisher nicht so zufrieden sind, müssen wir nur geduldig weiter arbeiten.“